Earth Trax hat sich in seiner Diskografie schon an allerlei Genres ausprobiert. Richtig bekannt wurde der Pole 2020 mit LP1, auf der er quietschigen Rave und Trance à la Bicep gewieft und serotoninschwanger zusammendachte. Dazwischen gab’s mal Ambient, auf Everlasting Flame sind nun Introversion und Ausdauer Trumpf, was somnambulen Dub-Techno ergibt.
Der Opener »In the Zone« könnte mit seinem kompakten Drumming etwa von Vril stammen, das Meisterwerk »Wait and See« an zweiter Stelle verdichtet sich mit metallischem Klirren, konstantem Pad-Flirren und subaquatischem Grollen wie bei Porter Ricks hin zu einem emotionalen Klimax: An diesem rückt der funktionale Dub-Techno-Trott zugunsten eines schwermütigen Klavier-Loops in den Hintergrund, als wäre man aus dem Hauptraum der WG-Party zur andächtigen Privataudienz in einen Raum mit Yamaha-Keyboard und haufenweise Monsteras gebeten worden. Manche mögen diese ungewöhnliche Symbiose kitschig nennen, tatsächlich ist eine der Hauptqualitäten in Earth Trax’ Musik, exakt solchen Momenten Tiefe abzuringen, sie mit Leben zu füllen – was stellenweise an Wolfgang Voigts Alias GAS erinnert.
Im weiteren Verlauf des Albums navigiert Bartosz Kruczyński durch sehnsüchtige, manchmal depressiv anmutende Pop-Tropen inklusive Heliumstimmen, was wirkt, als hätte Burial in den Zweitausendern Muzak für U-Boote produziert. Auch dieser Wagemut, Verbindungen zwischen Genres neu zu denken, zeichnet Earth Trax aus.

Everlasting Flame
