Am Anfang war der Bass. Ayşe Hassan hat dem Power-Post-Punk der Savages um Jehnny Beth in den mittleren 2010ern mit ihrem Instrument jede Menge Dringlichkeit verpasst. Die ersten Sekunden von »Husbands« vergisst man ohnehin so leicht nicht mehr. Ihr erstes Soloalbum nimmt jetzt etwas den Druck raus. Als Esya nutzt sie kalte Maschinenmusik, Synthesizer und Drum Machines für einen Sound zwischen Industrial und Wave-Pop, versucht sich aber nicht an der unterkühlten Unnahbarkeit, die man hinter dem Mikro oft vermutet, sondern geht raus.
Richtig raus. Das hat etwas Verletzliches, selbst dann, wenn Tracks wie »Heaven« pulsieren und sich beinahe überschlagen. Als Himmel bezeichnet sie hier die Clubs und Konzerthallen, deren Wände mehr Liebe und Hingabe gesehen haben als die meisten anderen. Auf Chasing Desire, für dessen sonnigen Keyboard-Beat Jessy Lanza verantwortlich zeichnet, wird sich Esya nicht ganz einig und singt insgesamt achtzehnmal »I (don’t) want to be your lover«.
Was sie aber weiß und was dem Album sehr gut steht, ist der langsame Sog, der im Laufe der etwas über 30 Minuten entsteht. Die Drums verabschieden sich immer weiter in die zweite Reihe, was Highlights wie »Hiding Place« auf den Plan ruft, das im besten Sinne so klingt, als würde es die nächste Minimal-Wave-Compilation anführen.

Chasing Desire