Sprechen reicht nicht. Wer sich seinen Göttern oder seinem Gott wirklich annähern will, muss die Worte singen. So ähnlich lautet auch die Behauptung von Joseph Ratzinger in seinem Buch Der Geist der Liturgie, das er schrieb, bevor ihn aufsteigender Rauch zum Papst erklärte. Throwback! Was aber haben religiöse Chantings und Chöre mit den Niederländern von Ambassade zu tun?
Sie waren ein Trio, jetzt sind sie ein Duo. Sie waren ein Projekt für abseitigen Cold-Wave-Pop, jetzt sind sie ein Projekt für neoklassische Experimentalmusik mit Hang zu Keyboard-Drama und religiöser Symbolik. Wenn »The Thurible Hymn« ertönt, also die Hymne des geschwenkten Weihrauchfasses, und sich ein in Nebel gedrückter Chor in Repetition übt, dahinter Keyboardflächen den Himmel öffnen und Beats vor den Toren zurückbleiben, wird das neue Konzept deutlich, das jede Hauptrolle auf dem Album mit Stimmen besetzt.
Zum Glück muss davor niemand Angst haben, denn zu sehr arbeiten sie sich weiterhin an den dunkeldüsteren Maschinensounds ab, die ihre bisherigen Platten ausgezeichnet haben. Was auf Manrira in letzter Konsequenz angebetet wird, ist das Experiment. »Togetherness« ist schlammige, mutierte Drum-Machine-Spookiness, »The Influencer Accent« gehört mit seinen Loops eigentlich auf ein Bass-Mixtape, und »Gunslinger« schabt mit technoider Präzision durch die Düsternis.

Manrira

