Review

Hako Yamasaki

Tobimasu

We Release Whatever The Fuck We Want • 1975

Wer ist Hako Yamasaki? Es ist als westlich sozialisiertes Individuum wohl keine Schande, den Namen der japanischen Künstlerin, die auf diesem Reissue ihres Debütalbums 1975 so berührend singt, nicht zu kennen. Man muss den Herrschaften von We Release Whatever The Fuck We Want aus dem schweizerischen Genf aber extrem dankbar dafür sein, dass sie »Tobimasu« eine Neuauflage spendiert haben.

Hako Yamasaki war ein 18-jähriges Mädchen, als das ursprüngliche Label Elec diese elf Tracks veröffentlichte, klingt auf diesem Reissue aber, als hätte sie zu diesem Zeitpunkt schon ein halbes Leben auf der Bühne stickiger Konzertbars zugebracht. Nicht etwa, weil ihrer Stimme etwas Verbrauchtes anhaftet – was übrigens nicht Wenige zum notwendigen Charakteristikum für künstlerische Glaubwürdigkeit im Folk- und Songwriter-Geschäft umdeuten –, sondern weil Yamasaki auf jeder einzelnen Nummer gesanglich brilliert, mit einer traumwandlerischen Routine eine emotionale Tiefe vermittelt, die kaum zu fassen ist.

Ob auf »Kazaguruma«, »Hashi Mukou No Ie« oder im pathetischen »Sayonara No Kane« mit larmoyantem E-Gitarrensolo, jede einzelne Nummer schultert die Sängerin zuverlässig und überzieht sie mit einer Atmosphäre der Aufgabe, der Trauer, der Tragik. Auch das grandiose »Sasurai«, das sich laut fixer Google-Suche mit »wandering alone in a strange country« übersetzen lässt und die komplette Platte mehr oder weniger auf den Punkt bringt. Die Tragik, die sie stimmlich transportiert, machte auch vor Yamasakis Karriere nicht Halt: Als Folk und Konsorten uncooler wurden, stand sie zeitweise kurz vor der Obdachlosigkeit.