Review Klassik

Hania Rani

Non Fiction: Piano Concerto In Four Movements

Decca • 2025

Non Fiction ist eines der bewegendsten Werke, die Hania Rani je geschaffen hat. Es handelt sich um eine Komposition in vier Sätzen, entstanden zum Gedenken an Josima Feldschuh, eine junge jüdische Pianistin, die im Warschauer Ghetto komponierte und bereits mit 13 Jahren starb. Rani überträgt diese kostbaren Fragmente eines viel zu kurzen Lebens in unsere Gegenwart und spiegelt sie in einer Welt aktueller Kriege – mit dem Leid in der Ukraine und in Gaza. Das Werk entstand in einer einzigen, teilweise improvisierten Session mit einem 45-köpfigen Orchester in den Abbey Road Studios.

Satz I beginnt mit einem warmen Orchester, über dem Ranis melancholisches Klavier wie eine Stimme steht und an frühere Werke erinnert – nur diesmal ohne elektronische Elemente. Ab dem zweiten Abschnitt öffnen gezupfte Streicher und fließende Querflötenklänge den Raum: heller, träumerisch, fast märchenhaft. Ab dem dritten Abschnitt wird es experimenteller: Jack Wyllies Saxophon dringt eindringlich ein, während Valentina Magaletti mit präzisen, wild pulsierenden Rhythmen Akzente setzt.

Satz II beginnt mit grollenden Percussions, während das Klavier Linien von Trauer und Hoffnung zeichnet. Später übernimmt das Orchester diese Motive und steigert sie zu einem Crescendo, das wie ein aggressiver Angriff wirkt, bevor es schließlich in sanfte Harfenklänge übergeht. Hier zeigt sich das ständige Wechselspiel von Hoffnung und Chaos – ein wahres Angstspiel, das das Leben im Krieg widerspiegelt. Der dritte Satz ist der dunkelste Abschnitt: Manche Passagen klingen fast wie Sirenen, die an die Geräuschkulisse des Krieges erinnern und die damit einhergehende Bedrohung hörbar machen.

Diese Dunkelheit wird im letzten Satz zu einem stillen, hoffnungsvollen Höhepunkt weitergeführt, dessen Glockenspielakzente und weit ausgreifende Melodie schlussendlich wie ein letzter Atemzug im Raum verklingen – so, wie der von Josima Feldschuh.

Hania Rani macht spürbar, wie komplex und schmerzhaft Krieg, Verlust und all die widersprüchlichen Gefühle sind, die damit einhergehen. Sie lässt Emotionen hörbar werden, die sich kaum aussprechen lassen, und vermittelt ein Gefühl, das viele von uns nie erlebt haben, das für unzählige Menschen weltweit jedoch Alltag ist: das Leben im Krieg, zwischen Hoffnung und Angst. Non Fiction erinnert eindringlich daran, dass dieser Zustand die grausame Realität ist – und keine Fiktion.

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