Legenden pinkelt man ja gerne mal ans Bein. Bei Haruomi Hosono war und ist das aber gar nicht angesagt. Denn das Gründungsmitglied von Yellow Magic Orchestra und Sketch-Show-Macher hat in seiner Karriere derartig viel hingestellt, dass kritische Nachfragen von einem fulimant-geschmettertem Chapeau! im Keim erstickt werden müssen. Yours Sincerely ist das 23. Soloalbum des 78-Jährigen. Und er? Lässt einfach laufen. Zehn Miniaturen voller Zartheit und Weirdness, die in kein Klischee in Bezug auf japanische Popmusik passen, die sich mit den Jahrzehnten wie von selbst aufgebaut haben.
Wie das schon losgeht! Der Opener »Note of Mothership« hätte auch den Reboot von Yann Tomitas Doopees-Projekt einläuten können, zeigt aber nur, wie viel Gefühl und Leidenschaft der Musiker in das Projekt gesteckt hat, seine eigene Band zu werden. Hosono klingt nach Fernweh, wringt rudimentär angetäuschte Pseudo-Standards soweit aus, das die Essenz sofort wieder mit brodelndem Wasser ausgegossen werden will. Das ist schon ein amtliches Tohuwabohu zwischen bunt angemalter Sehnsucht und glossy 4-Spur-DIY. Unklar, ob sich Haruomi Hosono selbst noch in irgendeiner Tradition verortet. Die überraschenden Momente aus der japanischen Musik in den vergangenen Jahren, die es nicht zuletzt dank des beharrlichen Diggens von The Notwists Micha Acher in unsere Plattenläden geschafft haben, passen aber perfekt ins Bild. Dort die Welt, hier wir. Lass machen.

Yours Sincerely Mothership Vinyl Edition

