Es gibt viele Wege, sich in ein Herz zu spielen. Laut zu schreien, »I killed your dog« ist sicher einer der direktesten. L’Rain, Multi-Instrumentalistin, Sängerin, Genre-Schichterin aus Brooklyn schrie es so auf ihrem 2023er Album, das nicht nur ob dieser ungewöhnlichen Beichte todesinteressant war. Folk, Soul, Jazz, Krach: Musikalisch war da wahnsinnig viel los. Das ist es auch auf ihrem neusten Album wieder. Aber: das bessere viel los. fata morgana ist zwar, wie sein Vorgänger, ein Werk of many styles. Aber diesmal greifen die einzelne Szenen, die die Musik entwirft, flüssiger ineinander; es gibt zwischen den Stücken einen viel engeren erzählerischen Zusammenhang. Und selbst wenn man sound-technisch plötzlich schon wieder am weirdesten Ort gelandet ist — es ergibt schon Sinn, dass man da gelandet ist.
»with time« holt erst mal ab, wie der Honig eine Biene abholt. Dieser sich langsam aufbauende Jam ohne Klimax macht Lust auf ein komplettes R&B-Album im Stile von Erika de Casier oder Rosie Lowe. Aber noch während man bei sich selbst das Hemd auch nur zu einem drittel aufgeknöpft hat, raten einem ein nautisches Saxophon und ein unschlüssiger Subbass zur Contenance: Vielleicht doch keine sexy times ahead! Ehe man sich versieht, hat man ganz unwahrscheinlichen Alt-Reggae an der Backe und ist froh, noch bekleidet zu sein. Auf »soulless cycle« kommt er schließlich doch, der zwischenzeitliche Höhepunkt. Aber, aijajaei, er ist nicht das, was man erwartet hätte. Wie alles hier. Siehe Titel. Vielleicht gibt es doch noch Chancen für den Hund.

Fata Morgana