Review

Hidden Orchestra

Reorchestrations

Denovali • 2015

In der elektronischen Musik gibt es Edits und Remixe, aber keine Coverversionen. Im Jazz gibt es Interpretationen, aber keine Coverversionen. Das Hidden Orchestra bewegt sich nun schon seit fünf Jahren zwischen beiden Welten und veröffentlicht nun ein Album, das sich selbstbewusst »Reorchestrations« nennt. Damit legt das beattüftelend-bewsingte Akustik-Elektronik-Orchester der Tatsache Rechnung ab, dass es so etwas wie Coverversionen in keiner der beiden geistigen Heimaten gibt. Dabei ist natürlich auch bei der Begriffsbildung ein bisschen Flunkerei im Spiel, denn hauptverantwortlich für die Orchestrierungen ist lediglich eine einzige Person: Das Band-Mastermind Joe Acheson. Neben einem Track des Hidden Orchestra-Mitglieds Poppy Ackroyds legte Acheson vor allem an Stücke geistesverwandter Projekte Hand an: Die Denovali-Labelmates von Piano Interrupted und Floex erhalten ebenso ihre eigenen Reorchestrationen wie das tschechische Projekt Clarinet Factory und der russische Jazz-Beatwissenschaftler Long Arm Neben einem exklusiven, bisher unveröffentlichten Bonustrack vom Hidden Orchestra und der zwar bereits bekannten, immer aber noch irrwitzig gekonnten Long Arm-Reorchestrierung ist »Thograinn Thograinn« des schottischen Duos Macmaster/Hay der definitive Höhepunkt von »Reorchestrations«. Während Acheson mit seinen basslastigen, rhythmisch verspielten Neuprogrammierungen die Originale häufig in die tiefe und dennoch fiebrige Klangsprache seines Projekts übersetzt, bleibt hier die irisierende Fremdheit des Ausgangsmaterials voll erhalten, was nicht allein Mary Macmasters kehligem Gesang zu verdanken ist. »Reorchestrations« lässt die Signaturen der reorchestrierten Acts zwar durchschimmern, am stärksten aber zeigt sich die Sammlung aber, wenn sich zwischen Originalen und Achesons Beigaben unauflösbare Spannungen ergeben.

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Reorchestrations
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