Review

Ricardo Donoso

Machine To Machine

Denovali • 2015

Ricardo Donoso widmet sich auf seinem neuen Album also Backmasking, ZMET und Steganografie. Hä? Noch mal: Ricardo Donoso widmet sich auf seinem neuen Album rückwärts abgespielten Botschaften, der Auswertung von symbolhaften und metaphorischen Äußerungen zum Zwecke der Analyse der dahinterliegenden Emotionen und der verborgenen Speicherung von Daten in einem Trägermedium. Immer noch nicht? Es geht dem Brasilianer auf »Machine To Machine« über massenpsychologische Phänomene in einer von Marketingmechanismen geleiteten Weltwahrnehmung. Jetzt wirklich? Na gut, letzter Versuch: Es geht darum, wie geheime Botschaften geschmuggelt werden können, manchmal direkt in unser kollektives Unbewusstes. Um uns zu (ver-)leiten, Dinge zu tun und vor allem zu kaufen. Möglich ist das, weil wir vielleicht doch keinen freien Willen haben. Impliziert Donoso zumindest in letzter Konsequenz mit seinem siebten Soloalbum, das dementsprechend dystopisch klingt. Was es raffiniert macht, ist die Art, in welcher der Mix aus pluckernden Synthie-Melodien, Drones und Schwebeflächen der selbst emotionale Triggerpunkte setzt. Konzeptmusik gibt sich für gewöhnlich nicht gefühlvoll, es sei denn, es geht ihr eben genau darum. »Machine To Machine« ist vollendetes Sounddesign, mit subtilen Rhythmen angereicherte Musik, die in den düstersten Autowerbespots der Welt laufen könnte. Bewegungen nachbildend und gleichzeitig bewegend. Doch wäre es allzumenschlich, das menschlich zu finden: Spricht doch schließlich der Titel der Platte nur allzu deutlich aus, dass die Maschinen sich in ewigen Feedbackschleifen mit Riesenhappen aus dem Big Data-Kuchen selber füttern. Unheimlich ist das also, eben weil das abstrakte Konzept sich so nebensächlich umsetzt.