Review

Poppy Ackroyd

Feathers

Denovali • 2014

Unter den zahlreichen Pianisten, die dieser Tage in der »postklassischen« Musik unterwegs sind, gibt es wenige, die neben ihrem Klavier noch andere Tasteninstrumente gelten lassen. Die Engländerin Poppy Ackroyd hat sich hingegen für ihre Stücke auf »Feathers« ins Keyboard Museum in Edinburgh begeben, wo sie die Klänge von historischen Broadwood-Flügeln, Cembalo, Harmonium, Spinett und Clavichord sampeln konnte. Aus diesem Material konstruierte sie instrumentale Miniaturen, die sich weitgehend auf die für die Postklassik üblichen kompakt schmachtenden Melodien und dezent-repetitive Arrangements verlassen, der Musik aber eine raue Farbigkeit verschaffen. Selbstverständlich kam Ackroyds Konzertflügel bevorzugt zum Einsatz, zur Ergänzung des Spektrums nahm sie vereinzelt Streicher hinzu. Die Klänge der Museumsinstrumente erinnern manchmal in ihrer perkussiven Spielweise an das prepared piano bei Hauschka, doch Ackroyd bearbeitete ihre Instrumente nicht groß, sie erweiterte ihre Technik stattdessen mit direkteren Mitteln: mal klopfte sie auf den Rahmen eines Clavichords, mal spielte sie im Inneren eines Cembalos auf den Saiten – herkömmliche Cembalotöne verwendete sich ebenso. Das Ergebnis ist eine angenehm kratzige Sentimentalität, die durch die Konzentration auf das Geräuschhafte und die Vielfalt an Klängen eine eigene Tiefer erzeugt.