Review

Ital Tek

Timeproof

Planet µ • 2023

In schöner Regelmäßigkeit erfindet Alan Myson auf seinen Alben als Ital Tek seit dem Jahr 2008 das Rad niemals neu und feinjustiert dessen Drehungen doch immer wieder auf andere Art. »Timeproof« erscheint wie die mittlerweile sechs Vorgänger auf Mike Paradinas’ Planet µ und basiert auf provisorischen Ideen und Skizzen, die Myson über die Zeit hinweg sammelte, und schließlich zu zehn Tracks verfeinerte. Die Spontaneität wird auf formaler Ebene hörbar, die Stücke bewegen sich eher an Intensitätswerten entlang statt konventionelle Strukturen zu durchlaufen. Selbst wenn – vorrangig im Midtempo-Bereich angesiedelte – Beats erklingen, dienen diese weniger als strukturgebendes Skelett denn vielmehr als klanglicher Kontrapunkt zu heulenden Synthie-Tönen und brüllendem Noise.

Bisweilen erinnert diese von Kontrasten gezeichnete Musik auch an Nathan Micays kongenialen Soundtrack zur Erfolgsserie »Industry« oder Musik an der Schnittstelle von Tim Hecker und Oneohtrix Point Never, bringt sie doch in selbem Maße Serotoninüberschuss und graukalte Depression zusammen. »Timeproof« ist ein Album, das in erster Linie der Bildung bestimmter Atmosphären verschrieben ist. Es stellt in musikalischer Hinsicht wahrlich keine Revolution, immerhin aber doch eine dezente Evolution im Werk eines verlässlichen Künstlers dar.