Review

Ital Tek

Mega City Industry EP

Civil Music • 2014

Vor allem mit seinen drei Alben für Planet µ (vier, wenn man »Control« mitzählt) hat Ital Tek sich einen Namen gemacht, der für eine Verschmelzung verschiedener elektronischer Stile steht, die so selbstverständlich daherkommt, dass sie in den besten Momenten aus nicht zu ferner Zukunft herüberzuwehen scheint. Ohne besonderen Rückgriff auf futuristische Sounds und Strukturen, sondern mittels geschickter Rekombination von Elementen, die immer schon für etwas Sci-Fi-Feeling standen, und mit IDM à la Warp und einem rhythmischen Fahrwerk aus Footwork und klassischem Drum’n’Bass grob umrissen sind. Allerdings ist die Welt, in die uns Alan Myson hier eine gute Viertelstunde lang mitnimmt, seltsam entvölkert, auf eine unheimliche Art kulissenhaft. Durch die deprimierende Regelmäßigkeit englischer Reihenhäuser führt uns das Titelstück, der Bass schlägt als Fahrtwind ins Gesicht, und wir ahnen schon: Die kleinen Freuden muss man hier suchen. Wie die Melodie, die sich im schmatzenden Vinylknister-Regendunkel von »Shinra« im Arpeggio versteckt. Oder das metallische Flackern, mit dem sich in der kalten Nachtluft von »Swamp Beat« die Nervosität nach außen kehren darf. Erst wenn in »Universal Decay« unter der rasenden Footwork-Percussion glitzernde Melodie hervorperlt, in ungreifbaren Schichten, schemenhaft wie aus einem halb erinnerten Traum, klingt nicht nur im EP-Titel, sondern auch in der fiebrigen Nostalgie der Musik eine Parallele zu Machinedrum an. Mysons Entwurf hat eine gewisse Sterilität, die spritzige Effekte einer austarierten Stimmung der Leere opfert, als sei die Welt ein durchgespielter Game-Level. Manchmal braucht man genau das.

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Ital Tek
Mega City Industry EP
ab 10.99€