Review

Ja, Panik

Don’t Play With The Rich Kids

Bureau B • 2024

Es dauert ziemlich exakt eine Minute, bis im Opener »Lost« die verzerrten Gitarren einsetzen – und dann für gut 50 Minuten eindeutig den Ton angeben. Nach dem letzten Album »Die Gruppe« mit Experimental-Pop kommt mit »Don’t Play With The Rich Kids« nun die nach vorne preschende, fast schon klassische Full-Energy-Rock-Platte. Der Sound steht den vier Exil-Wienern außerordentlich gut und verweist gleichzeitig auf ihre Anfänge, als sie ebenfalls mit kreischenden Gitarren und dem unverwechselbaren Denglisch von Andreas Spechtl mit »The Taste And The Money« und ein Jahr später mit »The Angst And The Money« aufhorchen ließen. Was Ja, Panik nicht wiederentdecken musste, da es nie weg war, ist die Haltung in den Texten: der nihilistische Wille zur Selbstzerstörung (»Wir scheißen auf den Tod und seine Freunde tonight«), die rage auf die Verhältnisse, das Reflektieren der eigenen Privilegien und auch die Lust an der Ambivalenz. Erstaunlich ist, dass die Band in der zweiten Albumhälfte immer versöhnlicher klingt, vor allem auf dem hymnenhaften »Fascism Is Invisible (Why Not You?)« und dem in bester Crazy-Horse-Manier fast 12 Minuten dahin-jammende Schlussstück »Ushuaia«. Wird am Ende doch noch alles gut?!?