Jaga Jazzist

Pyramid

Brainfeeder • 2020

Jazz hat ein Problem. So schreibt es zumindest der eine oder andere Musikjournalist. Die große Zeit des Genres scheint ja vorbei. (Außer man fasst den Begriff wirklich sehr, sehr weit.) Zudem wirken die meisten heutigen Veröffentlichungen angestaubter als die Platten von Miles Davis, JOhn Coltrane und Co. damals. Aber: Wie gut, wenn man sich irrt. Denn Jaga Jazzist strafen all diese Einleitungssätze der Lüge. Die norwegische achtköpfige Band zieht für ihr neues Album »Pyramid« gleich konsequenterweise von Ninja Tune zu Brainfeeder und liefert vier Tracks ab, die vor Inspiration, Rhythmuswechseln und Spiellaune nur so überlaufen. In »Spiral Era« steigt ein kantiger Takt ein, bevor vielstimmige Synthesizer und ein synthetischer Chor die Weiten des Tracks öffnen. Dann mischen sich mehr und mehr Funk und Fusion in den Sound. In »Apex« greift eine E-Gitarre in einen ähnlichen Trip ein, wirft ein paar Versatzstücke einer Melodie um. Jaga Jazzist schaffen es dabei trotzdem, einen sehr gefälligen Klang zu entwickeln. Dieses Album pulsiert wirklich über jede Minute, fließt wunderbar bis zu seinen letzten Momenten. Mutmaßlich werden sich die meisten Menschen schon am Jahresende nicht einmal mehr an die Veröffentlichung erinnern – was jedoch nichts mit der Qualität dieses Albums zu tun hat. Vielmehr damit, dass es Ruhe braucht, um sich vollständig in diesem Meer aus Sound zu verlieren, diese komplette Platte zu erfassen. »Pyramid« ist vom Zeitgeist so weit entfernt wie möglich und ein Gesamtkunstwerk, das als solches zu betrachten ist, bei dem die Tracks ineinandergreifen. Und das vielleicht Wichtigste: Es macht wirklich durchweg Spaß, sich dieses Album anzuhören, jeden Moment wieder und wieder zu erkunden, den Jaga Jazzist mit ihrem Sound geöffnet haben. So lange es Bands wie Jaga Jazzist gibt, hat Jazz nur ein Problem: Dass die guten Alben heutzutage viel zu wenig Leute erreichen.

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Jaga Jazzist
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