Jenny Hval

Apocalypse, girl

Sacred Bones • 2015

Die riesige kapitalistische Klitoris ist nur eine der vielen lyrischen Erschaffungen im Intro zu »Apocalypse, girl«. Pimmel, Bananen und Frauen, die besser backen lernen sollten, bevor sie ein Kind bekommen, gesellen sich zu dem Gedicht; unterlegt ist es von unaufgeräumten Sounds und dem Quietschen das passiert, wenn man einen Ballon knetet. So klingt das, wenn jemandem die Kunst genauso wichtig ist wie das Vermitteln einer Message. Die Message pellt man aus dem Intro nur schwerlich – deutlicher hört man sie aus anderen Stücken. Z.B. wenn in Hval in rhetorischen Fragen abarbeitet, was es bedeutet, sich um sich selbst zu kümmern: »Gettin’ paid, gettin’ laid?…shaving in all the right places?!« Über die Fragen hakt sie die Antworten ab, die wohl die Mehrheit auf die Titel-gebende Frage gegeben hätte. Ironie? Kritik? So deutlich wird sie nicht. Wo sie deutlich wird ist dort, wo sie die Gedanken des Hörers zu mehr Weite kriegen will: »I’m touching my cunt with my hand that isn’t clean. Am I loving myself now?«. Klar geht es auch auf Hvals neuem Album um Feminismus und andere soziokulturelle Themen. Nur kotzt sich Hval nicht darüber aus, wie es ist; sie fragt den Hörer: wie ist es eigentlich? Indem sie über Dinge redet, die erstmal absurd scheinen, oder unangenehm. Als Hörer fühlt man sich dabei alleine mit ihr. Die Sounds sind so klein, so alltäglich, dazu ihre Stimme so, dass man mit dieser alleine sein will – so lässt sich der Hörer ein. Auf das, was einem schon als zu artsy aufstoßen kann. Und so krachen sie dann wirklich, die Grenzen in den Gedanken. Das könnte die Apokalypse sein, die der Albumtitel herbei schreit: der Untergang vorgefertigter Gedankenmodelle.

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Jenny Hval
Apocalypse, Girl
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