John Beltran hat es wieder getan: eine Ambientplatte geschaffen, die groß, farbig, melodisch und emotional überwältigend wirkt, ohne sich grundlegend neu zu erfinden. Mit Sunrise and the Way We Live hat er für seine überlebensgroßen Panorama-Gemälde auch den passenden Titel gefunden – den besten seit Ten Days of Blue (1996).
Für den Detroiter kommt das Produzieren von Musik dem Bemalen einer weißen Leinwand gleich.Zarte impressionistische Kleckse, wie die immer intensiveren Klavier-Spiralen in »The Echo Bridge«, stehen majestätischen Landschaftsaquarellen wie »Soft Rain« gegenüber, das einen stotternden Drum-Machine-Beat mit feingliedrigen Synth-Sonnenstrahlen kombiniert. Besonders der Titeltrack reminisziert Beltrans vor inzwischen 30 Jahren erschienenen (und oben erwähnten) Klassiker. Dieses Musik gewordene Wimmelbild lebt von fortwährender Bewegung, von jenen Synth-Farben, die einst eine Karriere bedeuteten.
Beltran vertont abermals die Aufgekratztheit ungezügelter Vorfreude, ein zutiefst kindliches Gefühl, das sich mit dem Altersprozess zunehmend weniger einstellen will. Was wiederum Gefühlen wie der Melancholie Tür und Tor öffnet. Gut, dass die Gegenwart in dieser Musik, wie etwa bei Eluvium, allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. Wenn jemandem der gleiche Trick immer und wieder in überwältigender Form gelingt, und das quasi ohne Substanzverlust, dann muss dieser jemand sich nicht neu erfinden. Dann ist das große Kunst, die immer so bleiben darf.

Sunrise And The Way We Live

