Review

Kassem Mosse

Workshop 32

Workshop • 2023

Einige machen ihr Ding, andere machen es langsam und Kassem Mosse tut beides. Gunnar Wendel war in den vergangenen Jahren alles andere als inaktiv, verlagerte sein Schaffen auf andere Projekte wie Seltene Erden und DJ Residue, seine Rückkehr zu Lowtecs Label Workshop jedoch stellt sein erstes eigenständiges Solo-Release unter diesem Namen seit dem Jahr 2017 dar. Einige machen wenig, andere viel und Kassem Mosse beides zugleich, und dann noch anders als der Rest. Das wird schon beim Opener von »Workshop 032« klar, der spartanisch und spielerisch zugleich mit wenigen diskreten Klangereignissen und einem simplen Groove einen nuancierten Track aus einer Handvoll von Elementen zusammenbaut. Das erinnert in seiner Methodik ein wenig an das letzte Album von Pole, erweckt aber einen ganz anderen Eindruck. Die Liveness, die Kassem Mosse schon immer ausgezeichnet hat und in seinen Produktionen mit einer wunderbaren klanglichen Sprödigkeit verschmilzt, sie eben unvergleichlich. Im weiteren Verlauf des Albums zielt Wendel zwar eindeutig auf den Dancefloor und arbeitet mit den für ihn typischen Mitteln, beweist aber genauso, wie vielseitig die miteinander zu kombinieren sind. Tunes, die noch vor zehn Jahren als Outsider House gelabelt worden wären und ebenso Konzessionen an Disco-Rhythmik machen, aber auch technoide Anleihen mit psychedelischer Qualität bestimmen das Bild. Im Vergleich zum klassischen Kassem-Mosse-Sound zeigt er sich klanglich verspielter, arbeitet mit quietschigen und plärrenden Klängen, die der Musik eine humoristische Note verleihen. Doch werden sie nicht eingesetzt, um witzig zu sein: Die dezent gepitchte Ein-Ton-Melodie auf »B2« wird als charakteristisches Leitmotiv eingesetzt, das dem Track immer wieder einen neuen Drive gibt. Das erhält dann auch über neun Minuten Spielzeit die Spannung aufrecht. Mit so wenig so viel bewirken: Das können auch andere, aber auf Albumlänge niemand so gut wie Kassem Mosse.

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