Review

Kölsch

1977

Kompakt • 2013

Sowas kann einem schon mal passieren, wenn man als Däne Rune Kølsch heißt und einen Plattenvertrag bei Kompakt unterschreibt. Schließlich sitzen die ja in Köln und können sicher ein Liedchen davon singen, wie es so ist als »jeck an sisch«. Da wird eben kurzerhand aus Kølsch »Kölsch« gemacht und schon hat man seinen Ruf weg. Doch keine Sorge, Kölsch ist jetzt nicht Kompakts Aushängeschild für die neu entdeckte Nische »Ballermanntechno«. Ganz im Gegenteil. Seine Lieder sind einfühlsam, mit Liebe zum Detail gebaut und v.a. eines: Pop! Was uns alle an Paul Kalbrenners Glücksgriff »Berlin Calling« vor fünf Jahren begeistert hat – dieser treibende, emotional berührende neue Techno-Entwurf, bei dem außergewöhnlich viel Pop mitschwang, ohne peinlich zu wirken – das alles hat Kölsch ungemein gut verinnerlicht und führt den einst vom Berliner eingeschlagenen Weg sehr gekonnt und zeitgemäß ins Hier und Jetzt fort. Und nicht nur das: man merkt kaum, dass »1977« kein klassisches Album ist, sondern, wie bei Produzenten elektronischer Musik nicht selten der Fall, eine Zusammenstellungen seiner letzten Releases und dem, was ganz zuletzt im Studio entstanden ist. Das kann gehörig in die Hose gehen, wie zuletzt bei Surkin sehr deutlich zu erleben war, kann aber auch funktionieren – wenn die Songs einen eben berühren. Zwar bedient sich Kölsch hier und da schon ziemlich ähnlicher Stilmittel (Klimax!) und sicher sind seine Songs auch ziemlich minimalistisch und simpel gestrickt, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass »Der Alte«, »Silberpfeil« oder »All That Matters« (alle zwischen 2010 und 2012 veröffentlicht) jetzt schon zeitlose Klassiker sind. Ein überraschend gelungenes und gut funktionierendes Debüt.

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Kölsch
1977
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