In der berühmten Komposition »4’33“« des amerikanischen Komponisten John Cage gibt es vier Minuten und 33 Sekunden lang: nichts. Der Pianist lässt die Tasten des Flügels unberührt. Cage ging es dabei nicht in erster Linie darum, mit einem Novelty-Stück seine Zuhörer:innen zu provozieren. Im Konzertsaal werden die Geräusche des Publikums, das Räuspern und Raunen, das Knarren der Stühle, der gedämpfte Lärm, der von außen hereindringt, zum wichtigsten Teil der Komposition. »4’33“« rückt das scheinbar Unbedeutende in den Fokus. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der österreichische Komponist und Percussionist Martin Brandlmayr (Radian, Polwechsel) mit seinem Hörstück Interstitial Spaces.
Auf seinem ersten Release für Jan Jelineks Label Faitiche collagiert Brandlmayr kurze Ausschnitte aus Musikaufnahmen, Fernsehwerbung, Filmen und Field Recordings zu einem gigantischen Musique-Concrète-Patchwork: ein klassisches Orchester beim Stimmen der Instrumente, das Nebelhorn eines Schiffes, menschliche Stimmen, das Knistern einer Schallplatte, wenn der Tonarm die Auslaufrille erreicht. Musik und Störgeräusche spielen sich auf derselben Bedeutungsebene ab. Ob manche kurzen Passagen als Noise oder als Hardcore-Techno identifiziert werden, bleibt dann der Imagination der Hörer:innen überlassen.

Interstitial Spaces