»A stutter can be a musical instrument.« So lauten die ersten Worte des faszinierenden zweiten Albums von JJJJJerome Ellis, proud stutterer sowie grenadisch-jamaikanisch-US-amerikanische:r Künstler:in und Musiker:in. Und tatsächlich: Die Pausen zwischen den Tönen, die Momente, in denen die Stücke atmen, sind fast ebenso zentral für die sechs Tracks wie die schwebenden Sounds von Klavier, Holzbläsern oder auch Akkordzither.
Ellis stammt aus einer Familie von Predigern, Spiritualität ist ein zentraler Bezugspunkt seines Schaffens. So erstaunt es nicht, dass der Titeltrack von Vesper Sparrow – eine Bezugnahme auf die christliche Hymne »His Eye Is on the Sparrow« – gerahmt ist von einem vierteiligen »Evensong«: Ellis’ ganz eigener Interpretation des gesungenen Abendgebets, das ursprünglich aus der anglikanischen Tradition stammt.
Die Sounds wirken filigran, als handele es sich um Sandkörner, aus denen Ellis immer neue Luftschlösser baut. Hervorgegangen ist dieses eigenwillige Amalgam aus New Age, Drones, Gospel, Ambient, Gesang, Spoken Word und Jazz aus einer Session aus dem Jahr 2019. Die Aufnahmen wurden von Ellis digital bearbeitet und in kleinste Einheiten zerlegt, die er als »grains« bezeichnet. In geradezu pointillistischer Manier setzt er sie neu zusammen und webt so einen Klangteppich, der sein Saxofonspiel und seine brüchige Stimme trägt. Das Ergebnis wirkt oft ätherisch, manchmal jedoch auch wie Noise im allerzartesten Sinne.

Vesper Sparrow
