Seismo von Upsammy und Valentina Magaletti ist so eine Platte, die ständig in Bewegung ist. Alles kippt, verschiebt sich, löst sich wieder auf. Mal hängen die Tracks in ambienten, schwebenden Flächen fest, nur um im nächsten Moment in eine rhythmische Verdichtung zu stürzen. Genau dieses permanente Umformen zieht sich durch das ganze Album.
Man merkt ziemlich schnell, wie viele kleine Details darin stecken. So viele, dass man bei jedem erneuten Hören wieder andere Dinge herausgreift. Ein leiser Klick hier, ein verschobener Beat da, plötzlich ein Sound, der vorher noch gar nicht auftauchte. »Mementoes« ist dafür ein gutes Beispiel mit seinen seltsam anmutenden Vocal-Schnipseln und metallischem Klackern. Oder »Collide« mit seinem breakigen Beat, der fast schon Richtung Dancefloor geht, dafür dann aber doch viel zu schräg ist. Alles wirkt irgendwie gleichzeitig improvisiert und extrem kontrolliert. Und genau in dieser Balance zwischen den doch sehr unterschiedlichen Ansätzen beider Künstlerinnen liegt der eigentliche Kern des Albums: ein permanentes Ausloten von Grenzen, ohne sie wirklich festzulegen.
Vielleicht liegt das auch am Ursprung des Projekts, denn Seismo entstand im Auftrag einer Ausstellung. Statt sich direkt auf die Kunstwerke zu beziehen, haben die beiden die Räume des Museums selbst untersucht, Field Recordings und die Akustik der Architektur in die Musik eingebaut. Und genau das hört man auch. Diese leicht verschobenen, weirden Momente wirken fast so, als würde man durch ein Museum gehen, in dem sich die Wahrnehmung ständig neu bricht. Hier ein Dalí, der die Logik aushebelt, dort ein Nachhall der eigenen Schritte in der Weite des Raumes.

Seismo

