Review

Mike Cooper

White Shadows On The South Seas

Sacred Summits • 2013

Treffen sich The Orb, Brian Eno und Future Sound Of London jetzt eigentlich zu gemeinsamen Sessions? Kommen The Gentle People und Tortoise da etwa auch vorbei? »White Shadows On The South Seas« klingt im ersten Moment wie ein großes Namedropping der goldenen Ambient/Postrock-Ära Mitte der 1990er Jahre. Verhallte Steel Gitarren, Exotica-Anleihen und verträumte Klangstrukturen ummanteln vereinzelte perkussive Rhythmik, verzerrte Elektronik und Field Recordings aus dem heimischen Vogelzwinger. Dabei hat Mike Cooper schon mehr Dienstjahre auf dem Buckel als alle genannten Altmeister. Cooper hat neben John Lee Hooker und Jimmy Reed gespielt, war Anfang der 1970er Jahre bei John Peel eine Zeit lang Dauergast und ist einer der Grundpfeiler der Blues- und Folkszene in Reading, Berkshire. In den letzten zwanzig Jahren hat sich der Brite verstärkt mit der Geschichte der Kolonialisierung Ozeaniens beschäftigt und in diesem Zuge der Exotica ein wenig den Putz abgeklopft. Wenn solch ein gestandener Musiker sich in die neue Musik wirft, geht das in der Regel extrem nach hinten los. Aber der 70-jährige Folk- und Bluesgitarrist traut sich etwas, was den meisten in die Jahre gekommenen Musikern die Panik ins Gesicht treibt: er dekonstruiert sich selbst. Lawrence English, der das Album gemastert hat und Experte für Klangteppiche ist, gebührt hier sicherlich ebenfalls eine Verbeugung dafür, dass das Konzept über 14 Titel spannend bleibt. Von der Exotica-Note schwebt nur ein Afterlife-Hall über den Sandstrand. Der Blues ist quasi im elektrischen Summen verhaftet und lässt die nebligen Harmonien zerfleddert in einer nächtlichen Umarmung davon driften. Als hätte Mike Cooper inmitten des Tropenwaldes die Geisterwelt heraufbeschworen und lässt sie nun für sich tanzen.