Review

Mogwai

A Wrenched Virile Lore

Rock Action • 2012

Ihr großräumiger Gitarrenpathos hat Mogwai in fast zwanzigjähriger Bandgeschichte zwar keinen nennenswerten kommerziellen Erfolg beschert, dafür zahlten sich die Effekt-Eskalationen aus hoheitsvollen Melodieschwaden und dem vielzitierten Laut/Leise-Kontrast von Album zu Album stets in weltweitem Kritikergejauchze aus. »A Wrenched Virile Lore« ist bereits das zweite Remix-Album ihrer Diskografie, worauf die Schotten einigen befreundeten Mucker-Kollegen nun erlaubten, sich an den Liedern der 2011er LP »Hardcore Will Never Die, But You Will« zu vergehen. So haben u.a. Justin Broadrick, The Soft Moon oder auch Cylob einige An-, Ab- oder Querstriche in die Tracklist geschmiert. Wie es der Natur solch collagierter Gemeinschaftsprojekte entspricht, werden dabei aufwendig modellierte Monumente neben skizzierten Rekonstruktionen ausgestellt, ohne Rücksicht auf Kohärenz oder Vollständigkeit. Exemplarisch dafür ist das vorher hymnische Melancholie-Moment »Letters To The Metro«, was die Raumschiff-Rocker Zombi in einen futuristischen 80s-Express durch die Hölle umfunktionierten. Auch RM Hubbert erweicht erfolgreich aus dem einstmals sehr krautrockigem »Mexican Grand Prix« eine schauerliche Gitarrenballade am Fluchtpunkt des Originals. Wenn aber etwa Klad Hest hektischen Computerspiel-Rave wie auf »Rano Pano« abliefert, bestätigt sich schnell wieder, dass ein Remix-Album letztlich doch nur als supplementäre Fußnote zum eigentlichen Release zu verstehen ist. »A Wrenched …« ist wie eine rein ästhetisch-motivierte Kieferkorrektur – Mogwais musikalischer Korpus eignet sich hervorragend zu Verfremdungszwecken, doch wird die Bisskraft durch so einen Eingriff nicht unbedingt maximiert.

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Mogwai
A Wrenched Virile Lore
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