Review

Mohamed Ould Nana & L’orchestre National Mauritanien

Ahl Nana

Radio Martiko • 2022

Hypnotische Rhythmen, mal beschwörender, mal betörender Gesang, elektrische Gitarren, eine Violine – das erinnert an den Wüsten-Rock der malischen Band Tinariwen, aber auch an die Arbeiten der westsaharischen Sängerin Noura Mint Seymali und ihrer Vorfahren. Musik macht bekanntlich selten vor politischen Grenzen halt. Mint Soueid Bouh, die Violinistin und Bandleaderin des „Familienunternehmens“ Ahl Nana, wuchs in Timbuktu auf, damals ein kultureller Schmelztiegel, und nahm dort die unterschiedlichsten Einflüsse in sich auf und verarbeitete sie in ihren Kompositionen, die den Grundstock des Repertoires von Ahl Nana bildeten und die mauretanische Musik in die Moderne transportierten. 1971 entstanden die Aufnahmen, die auf dieser Zusammenstellung zu hören sind und seither in Lagerräumen in Casablanca verstaubten – die Musikcassette hatte dem Vinylmarkt den Garaus gemacht. Die Lieder von Ahl Nana waren allerdings in der Sahara berühmt, auch auch der große senegalesische Sänger Youssou N’Dour hat sie schon gesungen. Um verschlungenen Wege bis zur Veröffentlichung dieser historischen Aufnahmen auszuführen, fehlt hier der Platz, sie lassen sich in den spannenden Liner Notes des Albums nachlesen. Ebenso aufregend ist die Musik, die nun endlich auch für unsere Ohren wieder entdeckt wurde.