Review

Nyofu Tyson

Turkish Delite Türk Lokumu

Seismographic • 1988

Es ist zumindest auf den zweiten Blick eigentlich eine recht krude Mischung, die es hier zu hören gibt: Disco, Reggae, Anflüge von Hip Hop, Synthie-Pop, Latin-Einflüsse und kühler New Wave, türkische, aber auch englischsprachige Texte – und doch ist dieses 1988 nur auf Musikcassette veröffentlichte Solo-Debüt von Nyofu Tyson ein schlüssiger Entwurf einer türkischen Pop-Musik.

Das lässt sich zum Teil aus der Biografie des Musikers erklären, der in Los Angeles mit dänisch-libanesisch-afroamerikanischem Hintergrund auf die Welt kam, Komposition, klassischen Kontrabass und klassische nordindische Musik studierte und auf seinen Reisen die türkische Saz erlernte. In Schweden, wo er zehn Jahre lebte, spielte er mit türkischen Legenden wie Zülfü Livaneli und Okay Temiz, später, daheim in Kalifornien fusionierte er anatolische Musik mit Flamenco. Zum anderen liegt der Schlüssel zu dieser Musik darin, dass die Songs im Wesentlichen traditionelle anatolische Folk-Songs sind, die in den Händen Nyofu Tysons und seiner Begleiter (darunter der bereits erwähnte Okay Temiz) zu einer neuen anatolischen Pop-Musik geformt werden. Eine tolle Wiederentdeckung!