Review

Orchestre Massako

Orchestre Massako

Analog Africa • 2022

Kaum zu glauben, dass das Orchestre Massako als Militärorchester des zentralafrikanischen Gabun gegründet wurde – so entspannt groovend wie die Band hier aufspielt, zwischen traditionellen Rhythmen aus Gabun, der damals übermächtigen kongolesischen Rumba, aber auch anderen, über den Umweg Lateinamerika nach Afrika zurückgekehrten Stilen. Allerdings war es in den 1960er und 1970er Jahren, als Afrikas Kolonien in die zumindest politische Unabhängigkeit entlassen wurden, durchaus üblich, dass staatliche Institutionen wie Armee, Polizei und Feuerwehr, aber auch die Gewerkschaften eigene Bands unterhielten. Es ging damals schließlich nicht nur um Unterhaltung, sondern auch darum, so etwas wie eine nationale Identität zu schaffen. Das Orchestre Massako, angeführt von Jean-Christian Mboumba Mackaya, besser bekannt als Mack-Joss, begleitete den Präsidenten Omar Bongo auf seinen Reisen durch das Land und wurde über die Jahre zur beliebtesten Band des Landes. Als 1980 der senegalesische Sänger Amara Touré dazustieß, erlebte das Orchestre Massako eine neue kreative Blüte, bis Mack-Joss die Band 1996 auflöste. Rund ein Dutzend Alben entstand in den Jahrzehnten davor. Vier ausgedehnte Jams, zwei davon mit Amara Touré, hat das verdienstvolle Label Analog Africa nun ausgewählt und liebevoll aufbereitet. Ein ausführliches Booklet leuchtet die historischen und biografischen Hintergründe aus, wie man es aus diesem Hause gewohnt sein darf. Ein würdiges Denkmal.

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Orchestre Massako
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