Wollte man versuchen, das genaue Gegenteil von Lounge- und Fahrstuhlmusik zu machen, würde im besten Fall Paper Masks dabei herauskommen. Die experimentellen Sound-Collagen der beiden befreundeten Avantgarde-Künstlerinnen Phew und Danielle de Picciotto können nämlich unmöglich als Hintergrundmusik konsumiert werden. Sie fordern vielmehr in jeder Sekunde die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der hoffentlich abenteuerlustigen Hörenden ein. Die oft deutschen Texte werden geflüstert und in Echo-Schleifen geschickt, androidenhaft verfremdet oder wie das schlachtrufartige »Wacht auf!« in »Amnesie« gleich mit Megafon vorgetragen.
Zu de Picciottos Spoken-Word-Beiträgen schuf Phew im fernen Japan, rein intuitiv und ohne deren Inhalt zu verstehen, sehr freie und ausdrucksstarke Klangbilder, die dann meist überraschend gut zu den Texten passen, diese erweitern und ergänzen. Mal gibt es ASMR-ähnliche Mikrogeräusche (»The Cat«) und ätherische Choräle, dann wiederum nur schwer erträgliches Tinnitus-Fiepen und Rückkopplungen in »Sugar Sprinkles«. Es braucht also Mut, sich sowohl auf die wilden elektronischen Arrangements als auch auf die assoziativen, oft kryptischen Lyrics von Paper Masks einzulassen – der wird aber belohnt. »Ein beruhigendes Geräuschpanorama«, wie es in »Pixelwissen« einmal heißt, klingt aber definitiv anders, so dass man bei dieser Antithese von Hintergrundmusik auch von Uneasy Listening oder Anti-Ambient sprechen könnte.

Paper Masks

