Das Besondere an dem Timedance-Debüt von Lindsey Wangs alias Polygonia ist die Art und Weise, wie sie ihre ohnehin präzise Rhythmussprache in ein erdiges, basslastiges Terrain überführt. Die vier Tracks wirken funktional für den Club, wenn auch zu eigensinnig, um sich auf reine Zweckmusik reduzieren zu lassen. Glücklicherweise, denn nach ihren jüngsten Veröffentlichungen auf Dekmantel und Reclaim Your City versteht es zurzeit niemand, die Schnittstelle von immersivem Techno, Bass und psychedelischem Sounddesign so gekonnt zu zeichnen.
Der Titeltrack »Ceaseless Motion« macht diese Schnittstelle sofort greifbar: Er rollt und taumelt zugleich – kalibrierte Percussion, kratzige Texturen und subtil verzerrte Harmonien erzeugen einen rastlosen, aber leicht instabilen Groove. In »Splintered Soul Fragments« dehnen sich die tieferen Frequenzen schwer und beinahe zäh aus, während Offbeats und perkussive Störungen die Orientierung verschieben. Hier arbeitet Polygonia mit Körperlichkeit, mit Raum für Gedankenexperimente. Die gesamte EP besteht aus einem beweglichen System aus Druck, Reibung und mikroskopischer Verschiebung, so als entstünden kontinuierlich neue Anomalien. Ceaseless Motion ist eine kontrollierte Desorientierung im Clubmusikkontext mit viel Spannung im Detail.

Ceaseless Motion
