Läuten der Seele ist das Plunderphonics-Projekt von Christian Schoppik, Mastermind von Brannten Schnüre, der sein Faible für Neofolk-Esoterik mit einer Collagenästhetik verbindet, die an Black to Comm oder Sewer Election gemahnt – wenn diese denn Wolfgang Voigts Kink für deutsche Wälder und symphonische Musik teilen würden. Nach fünf Soloalben tut sich Schoppik mit Roudi Vagou zusammen – Matthias Kremsreiter alias alibikonkret, laut Selbstbeschreibung ein »autodidaktischer Sounddesigner«. Bereits in den ersten Sekunden ihres Split-Releases in 16 kurzen Teilen, Taghelle Nacht, wird deutlich, dass die beiden viel gemein haben.
Etwas weniger wohlwollend formuliert klingt ihre Musik recht ähnlich. Auch Kremsreiter verwendet Tape-Loops und Samples, um dichten Klangnebel zu erzeugen. Darin schweben körperlos Stimmen umher, bisweilen übernimmt ein Instrument die Führung. Mehr noch als sein Split-Partner scheint er daran interessiert zu sein, Elektronisches und Akustisches zu vermischen, naive Melodien und ominöse Texturen miteinander zu verweben – im besten Fall klingt das, als würde ein Teenager in den frühen 1980er-Jahren im Schlafzimmerstudio Popol Vuh nacheifern.
Wie um dem etwas entgegenzusetzen, setzt Schoppik auf ruppigere und abstraktere Klänge – die neun Tracks gehören zu seinen launischsten bislang. Obwohl der Albumtitel Taghelle Nacht Dualität und Kontrastreichtum suggeriert, wirkt diese zwischen dem Wundersamen und dem Melancholischen vermittelnde Musik doch weitgehend uniform. Aber auch wie ein wunderbar seltsames Echo auf die Hochzeit der Hauntology-Bewegung.

Taghelle Nacht

