Review

Sam Gendel

SUPERSTORE

Leaving • 2023

Wer mit dem Namen Sam Gendel noch nicht viel mehr als eine kurze Erwähnung im Deutschlandfunk Kultur verbindet, für den ist diese Zusammenstellung von Kuriositäten, Demos, Schrank- und Festplattenfunden des Saxofonisten aus Los Angeles genau der richtige Einstieg. Wobei eine Warnung vorangestellt werden muss: Die ungebremste Weirdness, die Gendel an den Tag legt und hier im Rohmaterial präsentiert, braucht den richtigen Ort und das richtige Setting. Die Miniaturen – nur zwei der insgesamt 34(!) Stücke überschreiten die Drei-Minuten-Grenze – sind Konzentrate von Sam Gendels Spielmaxime: Immer loslegen und bitte mit genug Wahnsinn im Kopf. So präsentiert er hier Tropen, die er bereits auf seinen Alben »Satin Doll«, »DRM« oder »Music For Saxophone And Bass Guitar« (mit Sam Wilkes) eingeführt hat: harmonisiertes Saxophonspiel, das die Holzbläsertöne quecksilbrig fließen lässt; ruppig geschnittene und geslicte Loops in der Begleitung; frische Jazz-Dekonstruktionen. Vor allem »SUPERSTORE« kommt wie sein Vorgänger »Fresh Bread« ohne Sicherheitsseil aus: Statt gekonntem Songwriting, das Gendel auch beherrscht, hört man hier den Ideenreichtum, das leicht manische Genie am Werk. Da klappert es unaufhörlich, da verliert er sich in einem Solo, dann wird er von seiner eigenen Endlosschleife eingeholt. Zwischendurch gibt es Unterstützung von Blake Mills und Philippe Melanson (auf »Gu Shi«) und anderen; sowie Zeichnungen seiner Partnerin Marcella Cytrynowic