Die Musik von Sarah Davachi mag sich langsam voranarbeiten, sie selbst aber werkelt im Akkord. Allein seit 2020 hat die Kanadierin über ein Dutzend Alben mit Solokompositionen und/oder Gemeinschaftswerken veröffentlicht. Mit einer Spieldauer von mehr als zwei Stunden ist The Will of Tongues eines ihrer ausladendsten und vielfältigsten Alben, das neben fünf Orgelstücken auch Kompositionen für Chöre und mikrotonale Ensembles sowie ein elektroakustisches Stück enthält.
Davachis Musik konzentriert sich auf Texturen und Klangfarben und greift dabei – angefangen mit Alter und Renaissance-Musik bis hin zu Minimal Music und Spektralismus, Drone und der Abstammungslinie von der frühen Elektronik bis zum zeitgenössischen Ambient – auf verschiedene Traditionen zurück. Auf The Will of Tongues verblendet Davachi diese unterschiedlichen Einflüsse auf eine Weise, die eher intuitiv als konzeptionell wirkt. Das lässt selbst die maximalistischsten Langstücke nahbar wirken.
Mit Ausnahme der relativ kurzen ätherischen Vokalstücke schafft Davachi sanft schwingende und sich langsam entfaltende Dronescapes. Wie Éliane Radigue und andere Meister:innen kontemplativer Klänge lädt Davachi zum Deep Listening ein, forciert es aber nicht: Diese Musik funktioniert ebenso im Hintergrund wie als bei vollem Bewusstsein genommenes Klangbad. So ausufernd lang The Will of Tongues auch sein mag: Es unterstreicht Davachis Standing als eine der zugänglichsten zeitgenössischen Komponist:innen unserer Zeit.

The Will Of Tongues
