Review

SCSI-9

Metamorphosis

Klikrecords • 2012

Wie eine wohlriechende Blase steigt eine gute Nachricht auf und zerplatzt geräuschvoll an der Oberfläche des Sumpfes von Schreckensmeldungen, die zur Zeit aus Russland und Griechenland auf uns einprasseln. Die mediale Kakophonie aus Berichten über staatliche Repressalien, Finanzkrise, Vetternwirtschaft und marodierende Protesthorden wird nun allenfalls zu einer leicht düsteren Spur am Klanghorizont, im Vordergrund hingegen stehen die leisen, harmonischen, friedlichen Töne. Die Rede ist vom neuen Album von SCSI-9 auf dem Athener Label Klikrecords, das anstelle von mit ins Megafon geschrienen Parolen gewohnt entspannt und dennoch eindringlich daherkommt. Zählt man das 2009 veröffentlichte »FortDance Headliners Live Set@Z17« mit, ist »Metamorphosis« die mittlerweile sechste Langspielplatte des Moskauer DJ- und Produzentenduos. Wenn man eine Verbindung zwischen dem Albumtitel und der musikalischen Evolution Anton Kubikovs und Maxim Milutenkos herstellen möchte, so ist es wenn überhaupt eine langsame, gemächliche Verwandlung, die den letzten beiden auf Kompakt veröffentlichten Alben noch eine kleine Prise mehr Melancholie und Altersweisheit hinzufügt. Insgesamt bleiben sich die beiden aber treu, entwerfen einen zeitlosen Soundtrack mit weiten Räumen, in denen verspielt-minimale Skulpturen gerade so angeordnet sind, dass man sich nicht verliert und in denen die Basslines eben warm genug sind, um die Szenerie nicht gefrieren zu lassen. Als Hörer fühlt man sich zurückgeworfen auf seine nackte Existenz, was beunruhigend sein könnte, wäre es nicht so verdammt schön. Wie Atreju in der »Unendlichen Geschichte« findet man unverhofft einen Ausweg aus den Sümpfen der Traurigkeit, und statt der Uralten Morla leitet einen die Stimme des Wiener Experimentalmusikers Gregor Ladenhauf (aka Zanshin) zurück auf den rechten Weg, der ausgehend von den Titeln »Song From The High Tower« und »I’m Lost« tatsächlich in Richtung Dancefloor führt.

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