Grimes

Visions

4AD • 2012

Wer sich an die 1980er Jahre erinnern kann, hat sie nicht erlebt, so der Volksmund. Ungeachtet der Doppeldeutigkeit, mit der man diese Phrase lesen kann, passiert es doch ab und an, dass Künstler eine Platte veröffentlichen, die wie in diesem Jahrzehnt geschaffen scheint. Das mag in vielen Genres ein Kompliment sein. Wenn ein Album aber wie »Visions« sich nur auf Gothic und Synthesizer beschränkt, dann kommt das eher weniger spannend. Vorab sorgte »Genesis« mit seinem tumben Rhythmus und dem elektronischem Chor für reichlich Aufmerksamkeit für Grimes. Und vielleicht wäre diese auch noch nach der Veröffentlichung von »Visions« gerechtfertigt, wenn nicht so eine zerfahrene und ziellose Naivität das Album durchziehen würde. Keiner der Tracks fällt irgendwie aus dem Rahmen, sondern alle Sounds orientieren sich an dieser einen Schablone, die Grimes gleich dreizehn Mal anwendet. »Be A Body« drückt erst die tiefen Töne, um sich dann doch um eine Melodie zu winden. Darüber säuselt Grimes mit ihrer dünnen Stimme, die ziemlich austauschbar ist – egal wie oft sie diesen merkwürdigen Feengesang anstimmt. In »Circumambient« verschieben sich die einzelnen Elemente zwar, aber es bleibt doch alles auf dem gleichen Spielfeld. Dass Grimes mehr kann, lässt sich nicht bestreiten, denn mit »Symphonia IX« öffnet sie doch ein wenig die Büchse der Pandora, die auf »Visions« sonst nur als Mahnmal in der Ecke steht. Doch zu oft steht sich dieser Sound selbst im Weg. Wer sich daran erinnern mag, kann das gerne tun. Zu erleben gibt es auf »Visions« allerdings nicht viel.

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Grimes
Visions
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