Review

Ejecta

Dominae

Driftless Recordings • 2013

2013 hat sich die heiße Phase des fragwürdigen Pseudo-Genres »Chillwave« längst im unbarmherzigen Webprotokoll der Blogosphäre verlaufen. Für den heimlichen Hipster-Helden Joel Ford und die Neon Indian-Chantuese Leanne Macomber war es da wohl nur eine logische Konsequenz als Ejecta gemeinsame Sache zu machen und weiter Richtung Dark-Wave zu dreampoppen. Ihr Langspiel-Ergebnis »Dominae« setzt einfach da an, wo »Psychic Spasm« den Italo-Disco entschleunigte und Ford & Lopatin stroboskopen Synthpop auf dunkelbunte Effekt-Prismen fixierte. Die fragwürdige Strategie, Fräulein Macomber im Evakostüm auf Cover und Pressefotos zu hieven, um dies als Metapher für einen »Seelenstriptease« auf den zehn Anspielpunkten zu stilisieren, riecht zwar eher nach einer zweifelhaften Mischung aus schnöseligem Künstler-Getue und prostituierender Marketingkampagne, dennoch entfaltet »Dominae« jenen empfindlichen Anmut, jene rissige Harmonie in schwarz-trüber Eleganz wie es das zierliche Aktfoto signalisiert. Kindlich-verträumte Stepsequencer beladen mit weltschmerzlicher Melancholie, synthie-tänzeltende Zwischenräume in Überschwang und Depression, delay-gedingste Rhythmus-Wechselspiele in schummeriger Sehnsucht brachialer Industrie-Ästhetik. Die reduzierten Synth-Arrangements Fords und Macombers grazil-schmächtige Performance speisen sich aus der Geschmeidigkeit der Andeutung, die die großen Gesten nur anzupfen, nicht ausschöpfen wollen – Contenance à la 80s-Pop! Ejectas ruchloser Soundtrack hätte ein bisschen emotionaler Kontrollverlust in Text und Ton nicht geschadet, doch hängt man nach diesem gefühlsduseligen Quasi-Pathos eh mit dem Kopf in den Wolken und dem Finger auf der Repeat-Taste.