Review

alt-J (∆)

This Is All Yours

Atlantic • 2014

Nach ihrem gefeierten und Mercury-Prize-gekürten Debüt »An Awesome Wave« sollte der Zweitling für alt-J (∆) nicht nur sprichwörtlich besonders schwer werden. Nachdem Bassist Gwil Sainsbury die Band im Januar verließ, arbeitete das verbliebene Trio jedoch weiter unbeirrt an dem heiß ersehnten Nachfolger. Und was soll man sagen? Das Warten hat sich gelohnt! Obwohl stets alle Mitglieder am kreativen Schaffensprozess involviert waren und sind, hört man »This Is All Yours« den Verlust eines Bandmembers in keiner Sekunde an. Im Gegenteil ist der eklektizistische Kunst-Pop eher noch ausladender, noch versponnener und spezieller geworden. Ob engelsgleiche Choralgesänge im Intro oder abgehangener Soul-Rock (»Left Hand Free« würde auch Little Barrie gut zu Gesicht stehen), ob HipHop-Anleihen oder Posauneneinsätze, von Minimal Music bis zum R’n’B-Beat: alt-J haben so ziemlich alles im Repertoire. So viel, dass sogar für ein Miley Cyrus-Sample Platz ist! Beliebigkeit kommt in diesem reichen Klangkosmos dennoch nie auf, auch weil »This Is All Yours« vom dreiteiligen »Nara«-Songzyklus zusammen gehalten wird. Ambitionierter, reifer klingt das Ergebnis, aber sehr viel hat sich eigentlich nicht verändert. alt-J (∆), die Band mit dem Hipster-Dreieck im Namen, sind schlichtweg nur noch besser geworden.