Ist die Party vorbei? Schon vor fast zehn Jahren hat René Pawlowitz alias Shed sein damaliges Album The Final Experiment genannt, und von der Vergangenheit verabschiedete er sich – und uns – ja eigentlich schon mit dem Debüt Shedding the Past. Jetzt also hören wir das Echo der Rave-Nächte. Aber schon nach dem ersten Track von Rave Echoes wird klar, dass hier weder ein mit Wehmut aufgeladener nostalgischer Rückblick programmiert wurde noch ein »Früher war alles besser« hineingedeutet werden muss. Die Nacht wird einfach verlängert. Nicht aber, wie man es erwarten könnte, durch ein sanftes Ausfaden und bloßes Erahnen der Sounds, zu denen gerade noch getanzt wurde. Warum zurückschauen, wenn das Gefühl sagt, man sei noch mittendrin? Und sind das nicht die besten Partys?
»Double Scoop«, das roughe Hardcore-Brett, ist klarste Demonstration von Sheds Talent, Techno und Breakbeat zusammenzudenken, und bringt – auch durch seine Platzierung auf dem Album – genau jenen zweiten Wind mit, der sagt: »Ach, lass doch noch fünf Minuten bleiben«, bevor die trancigere Variante des doppelt aufgeführten Tracks »Password« stoisch die richtigen Knöpfe drückt. Ob der zittrige Garage von »Everybody«, das stolpernde »Rave Predator« oder »Taking You Home«, das mit seinem Hi-Hat-Gewitter die schönste Idee einer Melodie serviert – das alles sind gute Argumente, heute vielleicht wirklich etwas länger zu machen.

Rave Echoes
