Review

Skudge

Balancing Point

Skudge • 2016

Aus Stockholm kommt ja nicht nur das eklektische Slackertum des Studio Barnhus, langhaarige Metal-Zottler und raffinierte Bildungsbürgerjazzer, sondern auch Techno. Sthlmaudio ist eine Adresse, die Sthlm Murder Girls eine andere und Skudge… Ja, Skudge spielen sowieso innerhalb der Stadt, des Landes und der Welt in ihrer eigenen Liga. 2009 meldete sich das Duo erstmals bei der Öffentlichkeit und legte in den sieben folgenden Jahren schlappe 21 Singles und ein Album vor, zum Großteil erschienen diese auf dem eigenen, selbstbetitelten Label. Mit »Balancing Point« wagt sich Skudge – mittlerweile auf Elias Landberg reduziert – nun wieder ans Langformat und große Erzählbögen. Obwohl so viel gar nicht erzählt wird über die Stunde Spielzeit. Stattdessen werden federnde Dub-Techno-Residual-Kicks mit feinstverflirrtem Sounddesign zusammengebracht. Das Resultat ist ein eigentümliches, weil es gleichzeitig so viel ist und doch so viel nicht. Techno mit Ostgut Ton-Dunkelheit anno 2009, welcher aber die Härte eines frühen Ben Klock abgeht. Eine klar ausdefinierte Ästhetik wie ein Luke Slater legen sie auch an den Tag, setzen aber viel mehr auf betörende Grooves als metallische Präzision. Zwischendurch Orbital-Gesten, die sich das Pathos verbieten. Der Wiedererkennungswert ist jedem der zwölf Tracks – von der Ambient-Skizze bis zum Floor-orientierten Siebenminüter – eingeschrieben, hängen bleiben möchte allerdings nicht. Weil Skudge, wenn er schon mal ein Album produziert, dieses auch als Album begreift und nicht nur eine ausgeglichene Mischung aus A- und B-Seiten anpeilt. Der selbstgesetzte »Balancing Point« steht im Zentrum, drum herum fließt alles so leichtfüßig groovend umher wie es im Techno-Bereich aktuell nur wenigen anderen gelingt. Es ist trotz seiner unheimlichen Untertöne ein auf mehreren Ebenen weiches und warmes Album, ebenso einladend wie berauschend. Nicht der Sound Stockholms, sondern der von Skudge – in seiner reinsten und schönsten Form.

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Skudge
Balancing Point
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