Review

Steve Hauschildt

S/H

Editions Mego • 2013

Lassen wir uns doch einfach Mal auf Roland Barthes’ literaturkritisches Konzept ein, dass der Autor tot sei. Lassen wir außer Acht, wer Steve Hauschildt ist, wo er herkommt, was er so den lieben langen Tag macht, was er uns sagen möchte und welchen Stellenwert er hat – also all den Kladderadatsch, der über Promotexte und Biographien rektal Sinn in das Wesen Kunst bläst. Dann stehen wir mit »S/H« erst einmal vor einem Monstrum mit 37 Titeln auf 2 CDs. Haben wir uns von diesem Schock erholt und die erste CD eingelegt, macht es »knips« und wir fallen mitten in einen Science Fiction-Streifen der späten 1970er Jahre – mit überdesigntem Kostüm, Laserstrahlen aus Heckler & Koch-Imitaten, bewusstseinserweiternden Szenenwechseln und all dem drum und dran. Der Dramatik wegen umwinden uns dicke alte Synthesizerflächen, schlagen uns metallenen Wind ins Gesicht, stürzen auf uns nieder, unterspülen die Füßen. Jeder Stern am Firmament bekommt einen Klang. Roboter sind die besseren Tänzer. Und wir sacken immer tiefer, Hals über Kopf in einen psychedelisches Sumpf, der nur durch allzu nachlässig programmierte (aber zum Glück seltene) Beat-Pattern etwas Styroporenes bekommt und mit 37 Titeln einen ganzen schönen Kater hinterlässt. Soll das heißen, »S/H« ist eine gar wundersame Anthologie verloren gegangener Synthesizerexperimente eines Experimentators, den wir bisher übersehen haben? Halten wir ein unentdecktes Zeugnis der Vergangenheit in der Hand, die Popol Vuh, Vangelis und Tangerine Dream unter sich aufgeteilt hatten? Ach, fragt nicht! Die Antworten sind viel desillusionierender, als es das Album verdient hat. Der Autor sei tot.