Review

Sun’s Signature

Sun’s Signature

Partisan • 2023

Es ist ein bisschen wie mit einem Auge in die Vergangenheit, mit dem anderen in die Zukunft zu schielen. Ohne zu wissen, was man hier hört, zeichnet Sun’s Signature mit viel Synth und Gitarre einen melancholischen Rahmen, in dem die Sonne aufgeht. Wenn man ein bisschen länger hineinlauscht, ist das Debüt aber noch viel aufregender, als vermutet. Ex-Cocteau-Twins-Sängerin Elizabeth Fraser hat sich mit ihrem Lebenspartner und Schlagzeuger Damon Reece »auf a Packl« gehaut und 2022 die fünf Tracks auf »Sun’s Signature« ausgespuckt. Was im ersten Anlauf schon traumverhangen und vielversprechend begonnen hat, wird für die extended Version noch um sechs Remixe erweitert. Frasers Stimme wird dabei aber hin- und heugeschaukelt, verlängert und zerstückelt, als wären es weitere sechs Songs. Ob die beiden, mit »Sun’s Signature«, hier etwas völlig Neues machen, bleibt dahingestellt. Die Massive Attacks und Goldfrapps unserer Zeit werden aber aus ihrem Schlummer gerüttelt und erfreut sein. Und das ist ja nichts Schlechtes! Ganz im Gegenteil: wer Reece und Frasers andere Projekte verfolgt hat, wird nicht enttäuscht und alle, die die Generation Portishead verpasst haben, überrascht sein: Eine vergesse Platte, die doch nie existiert hatte.