Review Rock

Bleachers

Everyone For Ten Minutes

Dirty Hit • 2026

Jack Antonoff – ultratalentierter Produzent für Taylor Swift, Lana Del Rey und Sabrina Carpenter sowie Frontmann des grundsoliden Indie-Projekts Bleachers – ist im Herzen vor allem eins: ein Popschwein. Glücklicherweise weiß er das selbst am besten, also setzt er den catchy Melodien auf dem neuen Album Everyone for Ten Minutes meist untypische Produktionsentscheidungen entgegen, die das Ganze leicht verdreht wirken lassen – und so ein gutes Gegengewicht zur schamlos zugänglichen Pop-Ästhetik im Kern seiner Arbeit bilden. Der Albumtitel passt also gut: Antonoff & Co. bleiben hier tatsächlich nur für wenige Sekunden bei einer Sache, springen ständig herum. In »The Van« wird mit Sample-Techniken aus dem Hip-Hop experimentiert; in »We Should Talk« kombiniert die Band Autotune mit sentimentalem Synth-Pop à la New Order; im fantastischen Closer »Upstairs at Els« erinnert Antonoffs leichtfüßiger Talk-Gesang an die groovigsten Momente aus der Karriere von Paul Simon – etwas, woran sich auch die gelegentlichen Antonoff-Kollaborateure von The 1975 bereits versucht haben, siehe »Wintering«.

Am liebsten wollen Bleachers allerdings nach Bruce Springsteen in den 1980er-Jahren klingen. Und immer dann, wenn ihnen das gelingt, ist Everyone for Ten Minutes am stärksten: Dann entstehen ein ansteckendes Bandgefühl und eine dramatische Energie. Etwa am Ende von »You and Forever«, einer Liebeserklärung an Antonoffs Moviestar-Ehefrau Margaret Qualley. Dieser Song erschafft das Gefühl jener Form von Liebe, die einen unbesiegbar fühlen lässt. Antonoff, der alte Romantiker…