Review

The Shins

Heartworms

Sony Music • 2017

Ach, Nostalgie. Wenn man sich an kalten Tagen mal in eine deutsche Innenstadt verirrt und dort zufällig im Eingangsbereich einer Kaufhof-Filiale landet, ist da dieser Geruch. Eine parfümbehangene Wärme, aus der sich keine Einzelheit klar herauslesen lässt. Seit Kindheitstagen hat sich dieser Geruch nicht verändert, womöglich ist er schon seit zwanzig Jahren patentiert. So wie The Shins seit ca. zwanzig Jahren das Patent für diesen typischen The-Shins-Sound halten: Gitarren-Indie mit Beatles-Einschlag und diesem ganz speziellen Stimmumfang James Mercers; eine fröhlich bunte Popwelt, in der Melancholie und Wehmut immer hinterm Vorhang lauern. Genauso wie bei Kaufhof kann man jahrelang einen Bogen um diese Welt gemacht haben, doch sobald man damit wieder in Berührung kommt, löst es etwas aus. Und in Berührung kommt man mit The Shins sowieso nicht sehr regelmäßig, denn sie machen sich rar. »Heartworms« ist erst Album Nummer Fünf in zwei Dekaden. Einen Vorzeigeplatz in der Band-Anthologie wird es sicher nicht bekommen, das steht schnell fest. Frontmann James Mercer meint wohl, sich mit viel Elektronik einem längst überholten Zeitgeist anpassen zu müssen. So gehen diese wunderbaren The-Shins-Momente unter in einem cheesy Brei aus Synthesizern und Soundeffekten. Das ist schade, aber immerhin reicht es für den einen oder anderen wohligen Nostalgie-Schauer. Anders als in der vielzitierten Szene des Films »Garden State« postuliert, werden The Shins auf diesem Niveau keine Leben verändern. Den Tag versüßen aber, wie ein altbekannter Geruch, der einem unverhofft in die Nase steigt, das kriegen sie mit »Heartworms« hin.

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Shins, The
Heartworms
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