Review

Vladislav Delay Quartet

Vladislav Delay Quartet

Honest Jon's • 2011

Vladislav Delay ist das Irrlicht der elektronischen Musik. Er flackert in verschiedenen Gebieten, in vielfältigen Gestalten (Sistol, Luomo, Uusitalo, Conoco) und manchmal weist er auch den Weg. Und der Finne Sasu Ripatti (so sein bürgerlicher Name) scheut auch nicht die Zusammenkunft mit anderen Lichtgestalten wie Antye Greie-Fuchs (AGF), Craig Armstrong oder Moritz von Oswald. Beim Vladislav Delay Quartet spielt er zusammen mit Mika Vainio (Pan Sonic), Lucio Capece und Derek Shirley. Ihr Debüt ist soeben bei Honest Jon’s erschienen, womit das englische Label einmal mehr Mut beweist. Denn diese Musik ist anders. Schon beim ersten Track, Minus Degrees, Bare Feet, Tickles wird deutlich, dass sich Sasu Ripatti einmal mehr neu erfindet. Das hier hat nur wenig mit seinen Vocal-House-Aufnahmen als Luomo gemeinsam und auch nur am Rande mit seinen Dub-Experimenten als Vladislav Delay. Zunächst atmet die Electronic ein tiefes Brummen aus, eine Clarinette zwitschert Atonales und lose taktet es auf der Hi-Hat. Nach acht Minuten klopft der Nachbar an die Wände der Holzhütte. Ruhestörung. Santa Teresa nimmt den Bass in seine Mitte. Der bindet geduldig Schleifen am laufenden Band. Electronic, Saxophon, Schlagwerk kommen, erzeugen beeindruckende Sounds, gehen, erzeugen keine Sounds, kommen, gehen. In dieser Statik liegt das Problem, besonders der ersten Hälfte dieses einstündigen Debüts: Die Instrumente verhalten sich zueinander, doch sie umgehen das Miteinander. Das verändert sich langsam bei Hohtokivi und aus einer bloß gemeinsamen Haltung von vier Musikern wird Musik. Gerade in den letzten 20 Minuten wird das Potenzial dieser Zusammenkunft vier hervorragender Musiker voll ausgeschöpft. Wenn diese Gruppendynamik mal greift, entsteht ein irrer Sound, kraftvoll und dynamisch.

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