Review

Wild Nothing

Hold

Captured Tracks • 2023

Er habe lange an dieser Platte gearbeitet und sei nun »aufgeregt und besorgt zugleich, dass sie das Licht der Welt erblickt«, so Jack Tatum aka Wild Nothing in der Pressemitteilung zu seiner neuen LP »Hold«. Kein Wunder, ist es doch das erste selbstproduzierte Album seit seinem Debüt »Gemini« 2010 und das erste seit fünf Jahren. In der Zwischenzeit ist er Vater geworden und hat sich als Songwriter weiterentwickelt. Neue Zweifel und Ängste gesellen sich zu den alten und werden unverblümt nach außen getragen. »I’d like to think there’s some reason for all this suffering / I’d like to believe in a life with a Disney ending«, wird etwa im funky verpackten »Basement El Dorado« eine bessere Welt herbeigesehnt. Von inneren Widerständen ist hier und da die Rede, während die smoothen Beats und der sanfte, hauchende Gesang der melancholischen Grundstimmung etwas von ihrer Schwere nehmen.

Inspiriert wurde Tatum u.a. von Peter Gabriel und dem Shoegaze der 1980er Jahre. Rockige Gitarrenriffs und der Retro-Schleier, der sich über alle Songs legt, bestätigen diese Referenzen. Zwischendurch werden mit Instrumentalstücken und sphärischem Gesang ruhigere Töne angeschlagen. Erfrischend dann die augenzwinkernde 80er-Nummer »Suburban Solutions«, ein Anti-Jingle über die Last des Alltags und der wohl größte Moment des Albums, in dem es sich selbst nicht zu ernst nimmt. Am Ende gibt Tatum seinem kleinen Sohn mit »Pulling Down the Moon (Before You)« ein großes Versprechen und bekennt: »Before you I was so certain I knew everything / Before you I thought only of myself«. Ein melancholisches Ende, das an die gewohnte Wild Nothing-Manier von Weltschmerz und Selbstfindung anknüpft.