Review

Yusef Lateef

Eastern Sounds

Craft • 1960

»Ethno Jazz« ist ein etwas unglücklich gewählter Begriff für Musik, die versucht, westliche und östliche Traditionen auf einen Nenner zu bringen. Das gilt in besonderem Maße für den Multiinstrumentalisten und Komponisten Yusef Lateef. Bereits in den 1950er Jahren experimentierte Lateef mit Fusionen des Hard Bop mit Elementen aus den Musiktraditionen des Nahen Ostens. Lange bevor John Coltrane und in noch stärkerem Maße Don Cherry ähnliche Experimente unternahmen. Yusef Lateefs Album »Eastern Sounds« von 1962, das jetzt in der Reihe »Original Jazz Classics« wiederveröffentlicht wird, ist eine Art Referenzmodell für alle ost-westlichen Musikfusionen.

Mit Barry Harris am Piano, Ernie Farrow an Bass und Violine und Schlagzeuger Les Humphries untersucht der Multiinstrumentalist die Verbindungen scheinbar unterschiedlicher Musiktraditionen. Harris setzt die Kontrapunkte zu Lateefs diversen Blasinstrumenten, wodurch alles schön in der Waage gehalten werden. Das mysteriös verschlungene Spiel auf der Oboe in »The Plum Blossom« und auf der Flöte in »The Three Faces Of Balal« gehört zum schönsten, was das amorphe Genre zu bieten hat. Das Album bedient nicht die damals hochmodische Sehnsucht nach Exotica-Sounds, es ist vielmehr aus der tiefen Faszination Yusef Lateefs für nichtwestliche Harmonien entstanden.