Eyes Full ist kein Bruch mit Zoh Ambas Free-Jazz-Vergangenheit. Vielmehr ist ihr neues Album eine Übertragung in eine andere musikalische Sprache. Statt das Saxofon ins Zentrum zu stellen, formt sie aus akustischer Gitarre, Folk, Blues, Noise-Einsprengseln und Grunge ein Singer-Songwriter-Album, das dieselbe körperliche Dringlichkeit besitzt wie ihre improvisierten Arbeiten zuvor. Thematisch kehrt Zoh Amba zu ihren Wurzeln im ländlichen Tennessee zurück. In rohen und teils übersteuerten Songs besingt sie gescheiterte Träume, soziale Abgründe und den Wunsch, gesehen zu werden.
»OCD« startet das Album mit einer funkelnden Country-Gitarre. Die Form wirkt etwas holprig, fast wie ein tastender Versuch, für die Geschichte erst eine angemessene Perspektive zu finden. Nach und nach findet sich eine gewisse Struktur – in »Southern Soil« treibt Amba die Stimme, ähnlich wie auf allen Songs, kompromisslos über ihre Belastungsgrenze: Brüche und Krächzen erzeugen hörbare Spannung und offenbaren Verletzlichkeit. Jim Whites bewegliches Schlagzeug und Kevin Hylands E-Gitarre geben diesen Songs Halt, ohne Absicht zur Beruhigung. Eyes Full ist kein dekorativer Ausflug ins ländliche Tennessee. Das Album ist rau und wild, zugleich mit echter Zärtlichkeit versehen. Es zeigt, dass Ambas eigentliche Stärke in der Intensität liegt.

Eyes Full Black Vinyl Edition
