Die 50 besten Schallplatten der ersten Jahreshälfte 2026

01.07.2026

Die Redaktion hat es wieder getan. Sie hat selbst gewählt, sie hat sich Zeit genommen, sie hat gesammelt und verworfen, hingehört, eingeordnet. Ihr findet hier nur: zertifiziert, entsloppifizierte Masse, Shit mit einem Puls.

Die erste Jahreshälfte 2026 wird als Zeit der Massenmorde und verschiedener Kriege, steigender Temperaturen und Ölpreise in Erinnerung bleiben – und dafür, dass das weltweit größte Arschloch zum weltweit ersten Billiardärsarschloch wurde, während ein paar weitere, geringfügig weniger reiche Arschlöcher noch jede Menge arschlöchriger Dinge anstellten. Das hat zuerst wenig mit Musik zu tun, aber irgendwie doch alles. 

Die Medienbranche durchlebte eine unvergleichliche Konsolidierungswelle – ein Prozess, der von reichen Arschlöchern vorangetrieben wurde, deren Absichten bisweilen eher ideologischer denn wirtschaftlicher Natur waren. Das verheißt nichts Gutes für die Musikwelt und wird verschärft durch den forcierten Siegeszug sogenannter Künstlicher Intelligenz, die allen zu jeder Zeit aufgezwungen wird. 

Während der Slop durch jede Ritze sickerte, stellte aber kaum jemand die naheliegendste aller Fragen: Will das irgendwer? Funktioniert so Kultur? Die folgenden 50 Schallplatten aus der ersten Hälfte des Jahres 2026 machen überdeutlich, dass es sich dabei nur um Fieberträume irgendwelcher Tech-Bros handelte: Sie erinnerten daran, dass die Auseinandersetzung mit Kultur Arbeit ist – und uns diese Arbeit erst menschlich macht.

Konversation statt conversion rates

Unsere Auswahl wurde aus einer Longlist von über 200 Alben, EPs, Compilations und Reissues zusammengestellt und lässt die offensichtlichen Blockbuster links liegen – dass sowohl Bad Bunny als auch Olivia Rodrigo neue Alben veröffentlicht haben, müssen wir ja niemandem erzählen. Was diese Platten stattdessen anbieten, ist slow food for thought in einer Zeit, in der alles für den schnellen Konsum optimiert wird. 

Von Emily Wittbrodt über Ts Bayandalai bis hin zu Zoh Amba haben einige dieser Künstler:innen neu definiert, was Songwriting sein kann, während Vince Staples ebenso wie Elucid & Sebb Bash zur falschen Zeit allzeit die richtigen Worte gefunden haben. Selbst wenn auf diesen Schallplatten wenig gesprochen wurde, stellten Beiträge wie die von Beatrice M. oder Priori doch wohltuende Herausforderungen dar.

So unterschiedlich diese 50 Alben auch sind, gemeinsam ist ihnen eins: Sie fördern ebenso den Dialog zwischen verschiedenen Epochen, wie beispielsweise Rizomagics psychedelische Interpretation der Cumbia Rebajada, wie auch untereinander, etwa zwischen dem Charles Tyler Ensemble und Sera Kalo. Es geht diesen Schallplatten um Konversation, nicht conversion rates. Und das, meinen zumindest wir, ist Kultur.
 Kristoffer Cornils


Aldous Harding
Train On The Island
4AD • 2026 • ab 27.99€

Train on the Island reiht sich nahtlos in Aldous Hardings nahezu perfekte Diskografie ein. Das fünfte Album der Neuseeländerin ist warm, vielschichtig und voller stiller Wendungen – rätselhaft und doch aus einem Guss. Mit wenigen, präzise gesetzten Mitteln und erneut an der Seite von John Parish verbindet Harding die Eigenständigkeit von PJ Harvey mit der Verletzlichkeit und dem Mysteriösen von Cat Power.

Martin Silbermann   Zur Review
Beatrice M.
Sinking Part 1
Tectonic • 2026 • ab 16.99€

Warum Beatrice M. mit Sinking eine der schlüssigsten Dance-Music-Platten vorgelegt hat? Weil das Album sich auf nichts beschränkt. Auf »Disco Corner« verdichten sich Detroit-House-Einflüsse zu einem zarten Techno-Entwurf, »Ocean« entscheidet sich glücklicherweise nicht zwischen Bass Music und Dub Techno. So entsteht eine makellos schöne Platte, deren Eigenart gerade in ihrer Offenheit liegt.

Maximilian Fritz
Bill Orcutt & Mabe Fratti
Almost Waking
Unheard Of Hope • 2026 • ab 27.99€

»Never meet your heroes« heißt es und tatsächlich haben Mabe Fratti, und Bill Orcutt ihr gemeinsames Album Almost Waking ohne persönlichen Kontakt produziert. Die guatemaltekische Cellistin und Sängerin verlieh den eigenwilligen Kompositionen des Anarcho-Gitarristen nachträglich eine eigene Note. Was nicht bedeutet, dass ihr Beitrag als bloße Ergänzung zu verstehen wäre: Die acht Stücke umweht ein kollaborativer Geist, der in einzigartiger Musik resultiert – eine neue Art von Post-Rock, vielleicht.

Kristoffer Cornils
Bim Sherman
Ghetto Dub
Week-End • 1988 • ab 33.99€

Ein Gipfeltreffen des Reggae zwischen Jamaika und England: Bim Sherman produzierte Ghetto Dub 1988 im Alleingang, beim Mix unterstützt von King Tubby, Prince Jammy und Adrian Sherwood. Heavy, großzügig mit Hall und Echo versehen, spielen die Stücke mit Raum, Gewicht und Irrsinn – etwa »Station Dub« mit seinem Türklingelsound. Shermans Gesang weht nur kurz vorbei; entscheidend ist, wie Dub hier zur offenen Versuchsanordnung wird.

Tim Caspar Boehme   Zur Review
Boards Of Canada
Inferno
Warp • 2026 • ab 49.99€

Mit Inferno öffnen Boards of Canada erneut die Tore zu einer zertrümmerten Vergangenheit und einer nie eingetroffenen Zukunft. Mike Sandison und Marcus Eoin konstruieren mit verblassenden Synthesizern, verzerrten Sprachsamples und dunklen Beats eine Technicolor-farbene Nostalgie, in der die Geister des Verschwundenen durchscheinen. Auf ihrem fünften Album reiben sich Boards of Canada zwischen den Zeiten auf: Es klang noch nie so apokalyptisch herrlich und herrlich apokalyptisch.

Björn Bischoff
Brion Gysin
Dreamachine
Wewantsounds • 2026 • ab 32.99€

Einen Guadagnino-Film über Brion Gysin wird es nie geben. Seine bahnbrechenden Beiträge zur Kunst- und Literaturgeschichte werden weiterhin von denen seines Kumpels William S. Burroughs überschattet. Immerhin haben WeWantSounds seine in den 1990ern mit Ramuntcho Matta produzierten Aufnahmen neu aufgelegt. Auf dem 32-minütigen Titeltrack von Dreammachine setzt der Cut-up-Pionier Afrobeat- und Juju-Rhythmen in Gang und untermalt damit sich windenden Gedankengänge, auf dem Bonustrack »The Door« begleitet Steve Lacy eine surreale Spoken-Word-Collage am Saxofon.

Kristoffer Cornils   Zur Review
G

Cancer House
The Moth
Motion Ward • 2026 • ab 24.99€

Zurückgenommener Post-Rock, der sich eher an Ambient entlanghangelt, als mit meterhoch aufgetürmten Gitarrenflächen beeindrucken zu wollen: Cancer House aus Chicago setzen auf The Moth auf leise, fein gewobene Klänge. Ihr Debütalbum ist dunkel, ohne Finsternis zu verbreiten, steckt knietief in Melancholie und vermittelt doch etwas Tröstliches – als entkernter Slowcore, dessen fragile Soundscapes verstören, aber umso mehr betören.

Christian Neubert Pippo Kuhzart   Zur Review
Charles Tyler Ensemble
Voyage From Jericho
Frederiksberg • 1975 • ab 33.99€

1967 veröffentlicht Charles Tyler Eastern Man Alone auf ESP-Disk. Dann: acht Jahre Stille als Bandleader. 1975 ist Jazz woanders: Miles Davis hat mit Bitches Brew den Fusion-Sound geöffnet, ECM definiert kühlen, hallgesättigten Raumklang. Doch Tyler macht sein Ding: Voyage From Jericho, eigenes Label, Free Jazz, spirituelle Tiefe, Soul als Erdung. Mit Ronnie Boykins, Steve Reid, Arthur Blythe. Kompromisslose Verdichtung. Einfach Jazz. Die Aufnahme blieb weitgehend unbeachtet. Völlig unverständlich. Frederiksberg Records korrigiert das 2026.

Sebastian Hinz   Zur Review
Damos Room
All Shall Go
Long Gone • 2026 • ab 22.99€

Das Debüt von Damos Room (Huw Oleskar alias Elijah Minnelli, Luke Miles und Nicholas Elson) bewegt sich auf eine derart spärliche und schroffe Weise zwischen abstraktem Hip-Hop, Lo-Fi-Dub und experimenteller Elektronik hin und her, dass die Frage erlaubt sei: Ist das noch Musik? All Shall Go bietet wenig Rhythmus oder Melodie, selbst wenn ein MC das Ruder übernimmt, folgt er selten erkennbaren Songstrukturen. In der Tradition von Adrian Sherwood bis Young Echo geht es Damos Room aber weniger darum, Musik zu machen. Sie schaffen Vibes – verdammt eindringliche obendrein.

Kristoffer Cornils
DJ Plead
Please
Smalltown Supersound • 2026 • ab 26.99€

DJ Plead macht Clubmusik mit arabischem Touch. Was alles heißen kann und nichts. In seinem Fall klingt sie nach Heimat im kulturellen Bermudadreieck zwischen libanesischen Tanten, schwiizerdütschem Vater und Schule in Sydney. Und zwar nach einer, die es – wir schlagen alle Mark Fisher, Kapitel zwo, Absatz vier auf – nie gab. Auf Please lässt er für Smalltown Supersound sogar die Gitarre wieder zu: Clubmusik mit falschen Gefühlen, richtigen Brüchen und genug Sentiment für bitte mehr davon.

Christoph Gleich
Dr K.Gyasi & His Noble Kings
Sikyi Highlife
Strut • 1974 • ab 26.99€


Alles alles alles ist hier drin. Die ganze Weite, die ganze Freude, die ganze Melancholie. Das ist Musik, die nur aus tiefer Verbundenheit entstehen kann – und höhere Verbundenheit schafft. Sikyi Highlife ist nicht nur gut für den Körper. Es ist auch wichtig in der Musikgeschichte. K. Gyasi und die Noble Kings (mit dem legendären Thomas Frempong!) waren damals, 1974, die erste Highlife-Band, die Keyboards und eine komplette Bläser-Sektion einsetzte. Zwar ist das Highlife durch und durch, jedoch mit ganz eigener Prägung: Die Percussions sind inspiriert durch den Sikyi-Trommeltanz der ghanaischen Akan-Völker. Ein »jugendlicher Freizeit- und Flirttanz«, heißt es. Diesen Tanz sollte selbstverständlich kein Mensch je aufhören zu tanzen.

Pippo Kuhzart
E L U C I D & Sebb Bash
I Guess U Had To Be
Backwoodz / Rhymesayers • 2026 • ab 47.99€

So collagenhaft wie sein Artwork klingt auch I Guess U Had To Be There von Elucid & Sebb Bash. Elucids schwer greifbare Lyrics treffen auf das Sounddesign des Schweizer Produzenten Sebb Bash: jazzig grundiert, voller Brüche und Beatswitches, dabei erstaunlich geschlossen. Diese Balance macht das Album zu einem eigenwilligen Rap-Release, atmosphärisch dicht und getragen von der unverkennbaren Chemie seiner beiden Protagonisten. »There may be others, but there’s none like this.«

Benjamin Mächler
Emily Wittbrodt
Wearing Words
Futura Resistenza • 2026 • ab 27.99€

Emily Wittbrodt ist so produktiv wie vielseitig: In Drone-Bands, Projekten der zeitgenössischen Musik sowie natürlich als Improv-Musikerin hat sie sich einen Namen gemacht. Ihr zweites Soloalbum Wearing Words ist, wenig überraschend, ein Gemeinschaftswerk – Sandro Hähnels opernhafte Gesangsbeiträge sind das verbindende Element dieser unkonventionellen Chamber-Pop-Stücke, die aus unterschiedlichen musikalischen Formsprachen und Ideen aus mehreren Jahrhunderten schöpfen. Komplexe Musik, ebenso unmittel- wie nahbar. Ein Meisterstreich.

Kristoffer Cornils
Fabiano Do Nascimento & Vittor Santos Orchestra
Vila
Far Out • 2026 • ab 29.99€

Wer Fabiano Do Nascimento und das Vittor Santos Orchestra für Vila zusammenbrachte, wusste wohl, welche Wärme daraus entstehen würde. Das Album verbindet brasilianische Gitarrentradition, orchestrale Weite und intime Erinnerungskultur. Do Nascimentos sieben- und zehnsaitige Gitarren bleiben im Zentrum, doch Vittor Santos’ 16-köpfiges Orchester begegnet ihnen auf Augenhöhe: Streicher, Bläser und Gitarren umkreisen einander, antworten, treiben an oder ziehen sich zurück. Präzise, leicht, fast melancholisch.

Moritz Weber   Zur Review
Galcher Lustwerk
Vestibule EP
Stratasonic • 2026 • ab 18.99€

Galcher Lustwerk war eine Weile von der Bildfläche verschwunden, die Vestibule EP entschädigt dafür im großen Stil: mit traumwandlerisch souveränen Stream-of-Consciousness-Lyrics über flüchtige amouröse Begegnungen an dritten Orten und einer schwülen Synthese aus Hip-House-Basslines und irisierenden Synths. Das funktioniert wie schon 2013: gefühlsecht, mit Leben gefüllt, vollkommen unsteril.

Maximilian Fritz
Gap Mangione
Diana In The Autumn Wind
Be With • 1968 • ab 40.99€

Gap Mangiones Diana in the Autumn Wind wurde zur Schnittstelle der Hip-Hop-Samplekultur: J Dilla und Madlib schöpften aus seinen virtuosen Arrangements zwischen Jazz, Funk, Orchesterfarben und straffer Rhythmusgruppe. Dass das Album 2026 erstmals seit Jahrzehnten wieder auf Vinyl erscheint, rückt seinen Status neu ins Licht. Doch auch ohne Sample-Nostalgie entfaltet das Werk einen zeitlosen Groove mit hypnotischer Kraft.

Martin Georgi   Zur Review
Günther Fischer Quintett
Eselsfutter
Sound Essence • 2026 • ab 31.99€

Wenn im Jahr 2026 eine Geschichte zu schön klingt, um wahr zu sein, dann ist sie es meistens. Nur Eselsfutter ist der real deal. Günther Fischer war eine Ausnahmegestalt der DDR-Musik, ein Weggefährte von Manfred Krug, der seine Musik weltweit veröffentlichen konnte. Diese saftigen Jazz-Funk-Stücke wurden 1974 und 1975 aufgenommen und wohl teilweise für das Roadmovie Wie füttert man einen Esel geschrieben. Der Saxofonist Fischer legt sogar sein Instrument beiseite, um sich hinter den Synthesizer zu klemmen. Das ergibt eine wilde Fusion-Platte – zu gut, um nicht wahr zu sein.

Kristoffer Cornils
Hans Reichel
Dalbergia Retusa
Black Truffle • 2026 • ab 44.99€

Eine Gitarre, die singt, klingelt, scheppert oder schrappt, manchmal fast alles auf einmal: Hans Reichel, Urgestein des Wuppertaler Free Jazz, erfand Instrumente, baute Gitarren, probierte Holzsorten aus, erweiterte Bünde, spielte auf allen Seiten des Stegs. Man meint oft, gar keine Gitarre zu hören, sondern etwas, das man noch nicht kennt. Dalbergia Retusa stellt seine Solomusik für Gitarre vor, ein reicher Fundus an verschrobener Schönheit, mit dem Reichel seinen eigenen Raum zwischen freier Improvisation und Folk schuf.

Tim Caspar Boehme   Zur Review
Heith & Tarawangsawelas
Duori
Stroom • 2026 • ab 28.99€

Heith und Tarawangsawelas lassen auf Douri sehr unterschiedliche Klangwelten aufeinandertreffen, ohne sie zu glätten. Dabei entstehen offene, sich langsam verändernde Strukturen zwischen Elektronik und rituellen Rhythmen. »Pesar Satan« wirkt wie ein taumelnder Strudel aus verzerrten Sounds, fragmentierten Beats und nervösen Percussion-Schichten, der sich ständig neu sortiert, ohne je Halt zu finden. Genau darin liegt der Reiz: Das Album ist raffiniert gebaut, zieht aus der Komfortzone und erzeugt eine intensive, fast tranceartige Atmosphäre.

Celeste Dittberner
Horse Lords
Demand To Be Taken To Heaven Alive!
Rvng Int'l • 2026 • ab 26.99€

Horse Lords aus Baltimore, mittlerweile größtenteils in Berlin zu Hause, haben mit Demand to Be Taken to Heaven Alive! ihre Klangsprache weiter verfeinert. Ihre Spielart des Avant-Rock klingt zugänglicher, ohne dass die Komplexität leidet: Polyrhythmik trifft auf Minimalismus à la Steve Reich, algorithmische Komposition auf Folktraditionen. Durch Auto-Tune verfremdeter Sacred-Harp-Chorgesang mutiert zu treibenden Rhythmen. So viel Spaß kann verkopfte Musik machen.

Stephanie Grimm
Irreversible Entanglements
Future Present Past
Impulse! • 2026 • ab 40.99€

Sie ist der spirituelle Felix Magath, sie lässt über Kohlen gehen, sie fordert ihr Team heraus, sich aber mal ganz herb die Pobacken zusammenzukneifen, denn es ist, liebe Freunde, Abstiegskampf. Aufstiegskampf? Daran jedenfalls, dass es einen Kampf zu kämpfen gibt, erinnert niemand dringlicher als Oberquälix Moor Mother. Im Quintett mit Schlagzeuger Tcheser Holmes, Trompeter Aquiles Navarro, Saxophonist Keir Neuringer und Bassist Luke Stewart beschwört sie als Irreversible Entanglements wieder die Geister. Und zwar die inneren. Future Present Past lässt Ohnmacht nicht als Ausrede gelten. Dieser Spoken-Word-Aufmarsch-Jazz ist 2026 essenziell gegen die Bräsigkeit, das Gesättigte, das Wurstige, das Resignative, das verdammte leer-Werden der Welt.

Pippo Kuhzart
Jump Source
Fold
Naff • 2026 • ab 30.99€

Jump Source, Patrick Holland und Priori zeigen auf Fold, wie gut Pop und Clubmusik zusammen funktionieren, wenn man sie nicht als Gegensätze denkt. House, Dub und IDM verbinden sich zu einem offenen, luftigen Sound; in »A Dull Knife« verschieben sich poppige Elemente, Dub-Texturen und Downtempo-Momente selbstverständlich ineinander. Selbst die kitschigen Momente geben dem Album die nötige Leichtigkeit.

Celeste Dittberner   Zur Review
K Wata
Give U Space
Short Span • 2026 • ab 35.99€

Kaum zu glauben, aber das Dub-Techno-Revival wurde ausnahmsweise nicht von Resident Advisor herbeigeredet, um Werbung für irgendeine Alkoholmarke zu machen. Short Span hat sich unvergleichlich schnell als eine der stärksten Kräfte der neuen Entschleunigungswelle etabliert, und Give U Space des New Yorkers K Wata stellte eines von vielen jüngeren Highlights im Label-Katalog dar. Wata orientiert sich am Sound von 2000er-Größen wie Pole, Jan Jelinek oder Vladislav Delay statt an klassischen Basic-Channel-Klischees und schafft mit diesen acht Tracks einen Instant-Klassiker.

Kristoffer Cornils
K.A. Posse
Strikes Again
Dark Entries • 2026 • ab 19.99€

»Warehouse Alarm«, »Muzic Box« – die sechs bislang unveröffentlichten Tracks von K.A. Posse (hinter dem Namen steckt K. Alexi Shelby, der mit 12 Jahren bereits seine Zeit mit Ron Hardy und Frankie Knuckles verbrachte) tragen ihre Herkunft mitunter im Titel. Chicago, 1988–1990. Eine neue Musik entsteht. Strikes Again zeigt das in nur 20 Minuten: roh, unmittelbar, körperlich; übersteuerte 808s, Sirenen, jacking 909s, Hip-House-Vocals. Maschinenfunk. Das hier ist kein Archivfund. Das ist der Moment selbst. Du hörst den Atem.

Sebastian Hinz   Zur Review
Kelan Philip Cohran & Legacy
African Skies
Listening Position • 1993 • ab 49.99€

Willkommen in den Himmeln der Geschichte. Willkommen in den Himmeln der Mysterie. Willkommen in den Himmeln Afrikas. So fängt es an, dieses Großwerk. Zwei Kontrabässe, zwei Harfen, Percussions über Percussions und natürlich Kelan Phil Korans (Sun Ra Arkestra, The Artistic Heritage Ensemble) custom Kalimba. African Skies hat einen schnell auf die schönste Art zur Strecke gebracht, man liegt weich auf der eigenen Gänsehaut und starrt erstaunt nach eben dort oben. Weil nur da kann diese Musik herkommen, die fleht, beschwört, vereinigt. 

Pippo Kuhzart   Zur Review
Kevin Morby
Little Wide Open
Dead Oceans • 2026 • ab 30.99€

Kevin Morby ist einer der wenigen Acts, deren Kunst man unoriginell nennen kann – ausdrücklich positiv gemeint. Auf Little Wide Open wird daraus sein bisher stärkstes Studioalbum: geradliniges Songwriting zwischen Americana und Indie-Rock, organisch produziert von Aaron Dessner, der Morbys Songs detailreich ausleuchtet, ohne ihnen das Bauchgefühl zu nehmen.

Lennart Brauwers
Marisa Anderson
The Anthology Of Unamerican Folk Music
Thrill Jockey • 2026 • ab 32.99€

Marisa Anderson sucht für The Anthology of UnAmerican Folk Music Vol. 1 in Harry Smiths Plattensammlung nach Songs aus Ländern, mit denen die USA seit 1970 in Konflikt standen. Folk-Songs aus dem Nahen Osten, Russland, Südostasien und der arabischen Welt übersetzt sie in Instrumental-Miniaturen, die der American Primitive Guitar verwandt sind. Erkenntnis: Es gibt eine Welt außerhalb der USA.

Albert Koch
Martyn
Music For Existing
3024 Music • 2026 • ab 30.99€

Nach einem Herzinfarkt und mehr als 20 Jahren in der Bassmusik-Szene gleicht Music for Existing des niederländischen Produzenten Martyn beinahe einer Wiedergeburt. Mit neuem kollektivem Ansatz verbindet er seine bisher eher private Jazz-Vorliebe mit mächtigen Club-Beats zwischen Dubstep, Drum’n’Bass und Techno. So zelebriert diese vielschichtige Fusion nicht nur die Community auf dem Dancefloor, sondern auch die Magie des gemeinsamen Musizierens.

Martin Silbermann   Zur Review
Nicolini
Quita Maldicion
South Of North • 2026 • ab 28.99€

Okay, okay, OU-KAY, Nicolini zementiert mit Quita Maldicion seine Stellung als rücksichtsloser Genre-Brutalisierer, nachdem er schon in den vergangenen Jahren stark auffällig geworden war. Früher hätte ihn nach so einem Run Kanye angerufen, aber der ist ja... Quita Maldicion unterzieht Soundsystems einem Stresstest; dieser Bass könnte aus Markus Söder einen Vegetarier machen; ja dieser Bass könnte vieles. Memphis-Rap ist definitiv ein Einfluss hier, aber auch Dancehall, Reggaeton, und…Tumblr-Era-James-Ferraro-Mucke klingen durch. 

Pippo Kuhzart
Noémi Büchi
Exuvie
-ous • 2025 • ab 24.99€

Die Scham des Schmetterlings vor seinem Leben als Raupe. Noémi Büchi interessiert sich auf Exuvie für das, worauf sonst niemand schaut: nicht die Metamorphose, nicht das Ergebnis – die Reste. Exuviae, abgestreifte Haut. Zeugnisse von etwas, mit dem man nichts mehr zu tun haben will. Die Schweizer Klangkünstlerin vertont das in kristallklare Sounds, orchestrale Schichtungen, brutal knallende Beats und analoge Synthesizer-Texturen. Hochmodern und abstrus barock. »Beneath Form« heißt ein Stück. Du kannst die Haut abstreifen. Die Erinnerung nicht.

Sebastian Hinz   Zur Review
Pita
Get Out
Editions Mego • 2000 • ab 37.99€

Auch fünf Jahre nach seinem verfrühten Tod wird das Vermächtnis von Peter Rehberg alias Pita am Leben erhalten. Get Out war 1999 das erste in einer Reihe von lose miteinander verbundenen Get-Alben und beinhaltet sein wohl berühmtestes Stück – der dritte von neun unbetitelten Tracks, die hier durch zuvor nur auf CD erhältlichen Bonus-Aufnahmen sowie einem kurzen Live-Mitschnitt ergänzt werden. Get Out kontrastiert brutalen Noise mit schimmernden Texturen und brilliert im Gegeneinander der Unterschiede. Ein Meilenstein in einem Vermächtnis, das um jeden Preis am Leben erhalten werden sollte.

Kristoffer Cornils
Priori
9
Kynant • 2026 • ab 13.99€

Auf 9 zieht Francis Latreille alias Priori den Fokus zusammen: weniger Songlogik, weniger Systemöffnung wie mit Jump Source, weniger Sci-Fi-Weite als auf This But More (2024). Stattdessen: Soundsystem-Enklave. Dub nicht als Zitat, sondern als zeitgeistige Clubsprache. »Isolation Dub« erdet tief, während man im Delay des Bassdrucks schwebt. Im Opener »Nesting Chamber« pitcht Equiknoxx-Kollaborator Gavsborg seine Stimme bis zur Unkenntlichkeit, tanzt über sumpfig-weiche Subs und Dub-Akkorde. Eine Stimme, die sich auflöst und trotzdem trägt.

Sebastian Hinz   Zur Review
Radio Hito
L'Uso E Gli Attributi Del Cuore
Meakusma / Maple Death • 2026 • ab 32.99€

Radio Hito ist das Projekt der in Brüssel lebenden Italo-Vietnamesin Nguyễn Zen Mỹ, deren neues Soloalbum von Meakusma und Maple Death veröffentlicht wird und nach dem Buch eines französischen Lyrikers benannt ist. L’uso e gli attributi del cuore ist dementsprechend viel, obwohl der Mix aus Ambient-Sounds, verspielten Rhythmen, gesprochenen und gesungenen Texten im Grunde auf sehr wenig basiert. Es lässt zugleich an Kankyō Ongaku, italienischen Art-Pop oder Delphine Dora denken – macht überhaupt das Undenkbare hörbar. Ein großer Wurf mit bescheidenem Schwung.

Kristoffer Cornils
Rizomagic
Cumbión Planetario
Soundway • 2026 • ab 22.99€

Die tropischen Futurismusmagier Rizomagic aus Bogotá lassen auf Cumbión Planetario Cumbia Rebajada am Asphalt kleben. Ambientflächen verdicken sich zu viskosen Honigtropfen, folkloristische Elemente zergehen im Nachhall entfernter Luftspiegelungen. Bei Edgar Marún und Diego Manrique verdampfen Tradition und Vogelgezwitscher in schwelend verdubbten Landschaften: Musik zum gedankenverlorenen Nachschwitzen in der Klimakatastrophe.

Jens Pacholsky
Robert Leiner
Visions Of The Past
Apollo • 1994 • ab 31.99€

Robert Leiners Visions of the Past entfaltet seine Wirkung nicht durch Überraschungen, sondern durch feine Verschiebungen und stetiges Abtauchen in den Sound. Das 1994 auf Apollo erschienene und 2026 wiederveröffentlichte Album zeigt, wie nahtlos Ambient und Progressive Techno ineinandergreifen können. Ein Track wie »To Places You’ve Never Been« drängt nicht nach vorn, sondern zieht mit hypnotischer Kraft immer tiefer hinein. Ein leiser Meilenstein elektronischer Musik.

Celeste Dittberner   Zur Review
Saba Alizadeh
Rituals of The Last dawn
Karl • 2026 • ab 19.99€

Der in Teheran geborene Saba Alizadeh schlägt auf Rituals of the Last Dawn einmal mehr die Brücke zwischen Alt und Neu. Weniger elektronisch als Temple of Hope, lässt das Werk traditionelle iranische Klänge und zeitgenössische Formen ineinanderfließen. Zwei Rituale – ein erstes und ein letztes – öffnen viel Interpretationsraum; trotz des dystopisch anmutenden Titels klingt das Album fast versöhnlich.

Nikta Vahid-Moghtada
Sera Kalo
Ex.Ii - Jazz Is Punk Gold Vinyl Edition
Unit • 2026 • ab 30.39€

Sera Kalo setzt mit eX.II – JAZZ IS PUNK ein sperriges Statement gegen die Glättung eines widerständigen Genres. Freie Improvisation, Spoken Word und Noise verdichten sich zu einem Sound, der reibt und fordert; Entspannung ist Teil der Dynamik, nicht das Ergebnis. In ihren Texten verschränkt Kalo persönliche und politische Linien – bis hin zu Afeni Shakur, die hier nicht nur als Tupacs Mutter erinnert wird. Eine Platte, die Aufmerksamkeit nicht erbittet, sondern verlangt.

Anna Grubauer
Shinichi Atobe
Silent Way Colored Vinyl Edition
Plastic & Sounds • 2026 • ab 50.99€

Silent Way beginnt mit jener unnachahmlichen Präzision, mit der Shinichi Atobe House, Dub-Techno und Ambient ineinanderfließen lässt. Schwebende Akkorde, zurückhaltende Rhythmen und ein warmer Dub-Groove ergeben eine Musik, die fordernd und komplex bleibt, aber nie ihre Eleganz verliert. Gerade weil Atobe so konsequent in seiner eigenen Welt arbeitet, wirkt Silent Way zugleich vertraut und überraschend.

Pippo Kuhzart   Zur Review
Silvia Tarozzi
Lucciole
Unseen World • 2026 • ab 35.99€

Silvia Tarozzi schafft aus kleinen Gesten große Kunst. Mit Lucciole knüpft sie an ihr wundervolles Album mit Deborah Walker an. Die italienische Komponistin, Improv-Musikerin und Folk-Vernarrte arbeitet mit grundunterschiedlichen Mitteln – klassisches Songwriting trifft auf Avantgarde, Pop-Hooks à la Franco Battiato treffen auf einen Kinderchor usw. – und macht daraus Songs, die trotz ihrer Eigenartigkeit warm, einladend und intim wirken. Dieses Avantgarde-Jazz-Folk-Pop-Meisterwerk ist das lebensbejahendste Album des Jahres, die reine schlichte Schönheit.

Kristoffer Cornils
Sy3
Sleepwalker
Music From Memory • 2026 • ab 25.99€

Wo auch immer SY3’s Debüt-EP Sleepwalker läuft, es ist sofort Mitternacht. Schummrige Barleuchten, flackernde Röhrenfernseher und reflektierende Straßenlaternen spenden das wenige Licht. Bewegung wird nicht gefordert, ist aber gern gesehen: Die tiefen Bässe, der weiche Gesang und die knisternden Beats ihres dubbigen Downbeat-R&Bs ziehen in einen zeitlupigen Traumzustand, aus dem man nicht so schnell heraus möchte.

Christopher Hunold   Zur Review
Tara Clerkin Trio
Somewhere Good
World Of Echo • 2026 • ab 25.99€

Ist das Tara Clerkin Trio das Portishead von heute? Somewhere Good gibt allen Anlass, das zu denken. Found Sounds, Alltagsgeräusche, Selbst-Sampling, Loops. Bristol als Ausgangspunkt. Ihr Song »Silently« ist mindestens so traurig wie »Roads«. Tara Clerkin, Sunny Joe Paradisos, Patrick Benjamin machen Pop, der zugänglich bleibt, aber Erwartungen permanent verschiebt. Arbeitsplatzverlust, Gentrifizierung, Alltag – kein Bling, keine Theorie, nur das einfach komplizierte Dasein. Das Tara Clerkin Trio macht Pop gegen das algorithmische Leben. Somewhere Good ist ein Meisterwerk.

Sebastian Hinz   Zur Review
Tlf Trio
Desire
15 Love • 2025 • ab 29.99€

TLF Trio hat schon 2022 ein echt schönes Album gemacht. Desire ist noch schöner. Die (neo-)klassische Instrumentierung – Piano, Cello, E-Gitarre – erweitert das TLF Trio um Sampling. Jeder Song ist eine Suchbewegung, man durchstreift Kammer- und Minimal Music, Spillage-Fete-Sampletronica, ahnt Pop (»Dancer«!), und hat am Ende jedes Stückes das Gefühl, das etwas gelüftet wurde. Immer entdeckt man ein Geheimnis. Aber es bleibt unsagbar.

Pippo Kuhzart   Zur Review
Ts Bayandalai
Wind Of Oirat
Night Defined • 2026 • ab 28.99€

Der österreichische DJ und Night-Defined-Chef Jürgen Vonbank lernte das Schaffen des mongolischen Musikers Ts Bayandalai während eines Tourstopps in Ecuador kennen und brauchte dann ein bisschen Geduld, um über Grenzen und Sprachbarrieren hinweg die Veröffentlichung von Wind of Oirat zu ermöglichen. Es war die Mühen wert: Diese ausgereifte Absichtserklärung bringt folkloristischen Lokalkolorit mit Psych-, Noise- und Post-Rock-Elementen zusammen. Das sorgt vor allem dann für große Momente, wenn Bayandalai ans Mikro tritt. Einer der schönsten Funde des Jahres.

Kristoffer Cornils   Zur Review
V.A.
Digging Central Asia Musical Archaeology Silk Road
Death Is Not The End • 2026 • ab 28.99€

Das usbekische Label Maqom Soul hat uns bereits die unverzichtbare Compilation Synthesizing The Silk Roads beschert und nun gemeinsam mit Death Is Not the End noch mehr Nuggets ausgegraben. Die zwischen 1978 und 1989 aufgenommenen Stücke auf Digging Central Asia: Musical Archaeology along the Silk Road richten sich an Menschen mit weitschweifendem Geschmack und DJs, die kilometertief diggen. Spaß machen sie obendrein. Unter anderem eine bizarre Quasi-Coverversion einer Pink-Floyd-Nummer wirft ein Schlaglicht auf eine widerspenstige Musikszene der Sowjetzeit.

Kristoffer Cornils
V.A.
Shifty Records Best Of The 80's
Shifty • 2026 • ab 28.99€

Mit teils exklusiven Tracks resümiert Shifty Records seine produktivste Zeit: Das südafrikanische Label förderte in den 80ern von Punk über Songwriter-Kunst, Avantgarde und Spoken Word bis zu Cape Jazz und afrikanischem Pop rebellische Musik aus dem Untergrund. Ausführliche Liner Notes ordnen die Musik ein; die Lyrics sind, wo nötig mit Übersetzungen ins Englische, enthalten. Ein toller Einstieg ins Thema, für Kundige eine empfehlenswerte Zusammenstellung.

Andreas Schnell
Vince Staples
Cry Baby
Concord • 2026 • ab 34.99€

Vince Staples war immer schon ein scharfzüngiger Beobachter der Gegenwart. Aber Cry Baby tut nochmal anders weh. Das ist kein Zynismus mehr. Das ist Verzweiflung. Und jede Zeile führt die Gründe dafür aus. Wenn Staples irgendwann schon 100 Zeilen über Lügen, Heuchelei, Ausbeutung, Mord, den Verlust von Freunden und der eigenen Freude gerappt hat, sticht das so sehr rein, wenn es auf »Only in America« heißt: »Hopefully I'm better by the summertime.« Es wird ihm bis zum Sommer nicht besser gehen. Niemandem wird es bis zum Sommer besser gehen. Nicht, wenn er/sie arm oder schwarz oder sonst irgendwie anders als die Klasse ist, auf deren Party wir uns befinden.

Pippo Kuhzart   Zur Review
Whitney Johnson, Lia Kohl & Macie Stewart
Body Sound
International Anthem • 2026 • ab 26.99€

Body Sound betritt keine Räume. Es erkundet sie. Tastend, suchend, mit gebotener Demut. 39 Sekunden hier, 7 Minuten dort. Für ihre erste Trioarbeit – in verschiedenen Duo-Konstellationen waren die in Chicago lebenden Musikerinnen bereits gemeinsam zu hören – bedienen sich Whitney Johnson, Lia Kohl und Macie Stewart analoger Bandtechnik: Improvisationen wurden geschnitten, geloopt, neu arrangiert; nicht um das Flüchtige festzuhalten, sondern um nachzuspüren, was da gerade passiert ist. Violinen, Cello und Stimmen lassen den Raum auf sich wirken. Dann gehen sie gemeinsam weiter. In Zeiten der lauten Raumnahme ist das leise Entdecken eine Haltung.

Sebastian Hinz   Zur Review
Yu Su
Foundry
Short Span • 2026 • ab 28.99€

Schwarzseher bejammern: Die 20er-Jahre haben nur noch dreieinhalb Jahre Zeit, um einen originären Stil der elektronischen Musik hervorzubringen. Daran wird Yu Su vielleicht nichts ändern, doch auf Foundry collagiert und amalgamiert die chinesische Produzentin Bestehendes so, dass es als »neu« durchgeht. Ambient, Acid, Minimal, Glitch und vor allem Dub-Techno-Texturen stoßen in unterschiedlichsten Dosierungen aufeinander. Und die Post-Rock-Elektroniker Seefeel sind als Gäste dabei.

Albert Koch   Zur Review
Zoh Amba
Eyes Full
Matador • 2026 • ab 27.99€

Zoh Amba, bekannt geworden als improvisationsaffine Free-Jazz-Saxofonistin, greift auf Eyes Full zur Gitarre – ihrem ersten Instrument. Auch klanglich und inhaltlich kehrt sie zu ihren Wurzeln im ländlichen Tennessee zurück. In rohen, zärtlichen Americana-Songs zwischen Folk, Blues, Noise-Einsprengseln und Grunge besingt sie gescheiterte Träume, soziale Abgründe und Menschen, deren Alltag sonst wenig Aufmerksamkeit bekommt.

Stephanie Grimm
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