Das Internet redet sich den Mund über den mikrotonalen Kauz-Rock von Angine de Poitrine fusselig. Warum über die Horse Lords schweigen? Die Band gründete sich bereits 2010. Seitdem haben Andrew Bernstein, Max Eilbacher, Owen Gardner und Sam Haberman Math Rock verkompliziert, indem sie die klassische temperierte Stimmung durch Just Intonation ersetzt haben. Zu KEXP wurden sie zwar noch nicht eingeladen, mit ihrem sechsten Album aber fordern sie stattdessen die Himmelfahrt.
Im Erdenreich verstreuen sich die Horse Lords aktuell noch auf die USA und Deutschland, weshalb schon vorige Alben über die Distanz entstanden. So auch diese zwischen neun Sekunden und achteinhalb Minuten langen Songs, für die die Band ihre Klangpalette erweitert hat. Mit dabei sind Bassklarinettistin Madison Greenstone und Posaunist:in Weston Olencki sowie, eine Premiere, zwei Vokalistinnen: die Sopranistin Nina Guo und die Shape-Note-Sängerin Evelyn Saylor.
Die beiden spielen auf Demand to Be Taken to Heaven Alive! eine zentrale Rolle und liefern sich – bisweilen in Auto-Tune getränkte – Post-Minimal-Duette, die auf die Wurzeln der Gruppe in der Welt der zeitgenössischen komponierten Musik verweisen. Die Sache rockt trotzdem: Die Grooves von Horse Lords mögen verworren und komplex sein, wunderbar skronky und seltsam funky sind sie dennoch. Neben all den verkopften Überlegungen besteht die Basisarbeit weiterhin aus: Arschwackeln!

