Der stets distanzierte, der kritisch beobachtende, der gerne zu schmerzhaften Späßen aufgelegte, der große Zyniker Vince Staples hat – und es ist wirklich so – ein Rock-Album gemacht. Das stößt erstmal auf. Nicht direkt sauer, aber ein Abwehrmechanismus regt sich doch. Es ist ja wirklich nichts naiver als ein Rock-Album – und Naivität passt ja doch eben gar nicht zu Vince Staples.
Aber naiv ist hier nichts. Je länger Cry Baby läuft, desto mehr entfaltet der Sound als Konzept seine Wirkung. Es wird auf die Weise unangenehm, wie das unangenehm sein soll. Diese Cheerleader-Frathouse-Party-Rock ist dermaßen weiß. Man steht mit Getränken in der Hand zwischen Privilegierten, redet Unverfängliches, draußen springt jemand bekleidet in den Pool, und man wippt ein bisschen zu diesen eingängigen Melodien.
»Empires built on bloodstrained ground«, so geht es ja schon los. Und das ist dann nur die Kulisse, auf der sich noch mehr Traurigkeit und Brutalität abspielen, angefangen bei performativem und letztendlich hohlem Ally-ship, über schwarze Präsidenten, die schwarze und braune Menschen bebomben und trotzdem nicht weißer werden, von den Cops erschossene Kids, mehr Rassismus, Rassismus, Rassimus, bis hin zur Resignation und Depression des Protagonisten.
Deshalb tut Cry Baby am Ende wahrhaftig weh: Weil Staples hier keine Witze mehr macht. Das ist auch kein Zynismus mehr. Das ist Verzweiflung. Und jede Zeile führt die Gründe dafür aus. Wenn Staples irgendwann schon 100 Bars über Lügen, Heuchelei, Ausbeutung, Mord, den Verlust von Freunden und der eigenen Freude gerappt hat, sticht das so hart zu, wenn es auf »Only in America« heißt: »Hopefully I’m better by the summertime.« Es wird ihm bis zum Sommer nicht besser gehen. Niemandem wird es bis zum Sommer besser gehen. Nicht, wenn er/sie arm oder schwarz oder sonst irgendwie anders als die Klasse ist, auf deren Party wir uns befinden.

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