Was wäre, wenn es diesen einen Sound gäbe, der wie eine Zeitkapsel funktioniert, mehrere Jahrzehnte durchmisst und dabei trotzdem nicht das Potenzial für einen Jetzt-Sound verspielt? Man wäre auf jeden Fall mit L.F.T. an einem Knackpunkt gelandet. Denn mit Hell Was Boring gelingt dem in Berlin wohnenden DJ und Musiker Johannes Haas so etwas wie die Aftershowparty der Achtziger, die sich erstaunlich zeitlos in den Soundraum von 2026 einschreibt. Das Album bringt die Maschinenlust der Kraftwerk-Nerds zum Kochen und erreicht über zwölf Tracks hinweg konsequent den Siedepunkt.
Irgendwo zwischen Drum Machines, die sich anhören, wie Charaktere aus Star Wars, entfaltet sich ein minimalistischer Post-Punk-/Cold-Wave-Verschnitt mit Ecken und Kanten, der sich selbstbewusst über sein Erbe erhebt und dabei doch noch einmal auf die Tränendrüse drückt, wenn auch anders, als man es gewohnt ist. Zwischenwelten sind es, die hier thematisch überquellen, ohne pathetisch zu werden. Zwischen Schatten und Licht breitet L.F.T. Gefühle aus, die eher Urgestalten gleichen als klaren Erzählungen – wie Fragmente einer Sage zum Unberührbaren. Diese Musik taugt für den Dancefloor ebenso wie für introvertierte Deep Thinker. Mit Wucht und Gefühl führt sie zu einer eigenen Erkenntnis.

Hell Was Boring