Review

Evidence

Unlearning Vol.2

Rhymesayers • 2025

Für die meisten ist Regen ein banales Wetterereignis. Für Evidence ist er identitätsstiftend. Der Rapper und Produzent, einst Teil der Dilated Peoples und längst als Producer’s Producer geschätzt, hat über Jahrzehnte ein Werk geschaffen, das Präzision, Selbstbeobachtung und Demut verbindet. Zwar distanziert sich Unlearning Vol. 2 – das Follow-up zur 2021 begonnenen Reihe – von der Weatherman-Trilogie, doch Niederschlag bleibt das Leitmotiv seines Schaffens.

Schon die teilweise in Eigenregie entstandenen Video-Singles sind von beschlagenen Fenstern und gedämpftem Licht geprägt. Statt einem festen Konzept geht es ums Loslassenlernen. Songs heißen »Plans Change« oder »Different Phases«. »Enough of makin beats, I’m back to spittin«, sagt er selbst – und zieht dann als Straßenchronist über Boom-Bap-Produktionen von The Alchemist, Conductor Williams und Sebb Bash durch Nebel aus Erkenntnis und Erinnerung.

Behutsamkeit prägt den Vibe: sanfte 70er-R&B- und Yacht-Rock-Samples, aus denen Evidence Beobachtungen über Freundschaft, Verlust und Vaterschaft formt. „Everything I talk is not fiction / I make photographs, rule of thirds and crop pictures“, sagt er auf »Seeing Double«. Diese Zeilen fassen den Kern von Unlearning Vol. 2: eine Musik, die das Loslassen als Form von Klarheit begreift – und in ihrer Ruhe die vielleicht ehrlichste Art von Selbstbehauptung findet.

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